Ein Projekt des ROM e.V. Köln und des Kölnischen Stadtmuseums
5.12.2009 bis 31.3.2010

Fotowand: Eröffnung der Ausstellung am 5.12. 2008

Die Fotos von der Ausstellungseröffnung stammen von: Renate Graffmann, Kurt Holl, Robert Pütz, Nihad Nino Pušija, Barbara Räderscheidt und Eusebius Wirdeier.

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Einige Kommentare aus dem Gästebuch 

„Faszinierende Ausstellung in ihrer Vielseitigkeit“

„Sehr beeindruckend – wirklich Kunst!“

„Tolle Ausstellung! Man bekommt Lust sich mit dem Leben der Roma und Sinti zu beschäftigen“

„Eine sehr gelungene, nachdenkliche, kraftvolle Ausstellung“

„Hervorragende Präsentation – absolut sehenswert! Danke“

„Die Kunstwerke oben sind ein deutlicher Beweis, dass die Roma und Sinti angekommen sind“

„Habe viel gelernt“

„Meine Hochachtung für diese Ausstellung, unser Leben sollte ein Leben mit ihnen sein“

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Einführung in die Ausstellung

KUNST DER ROMA

Die Biennale in Venedig des Jahres 2007 zeigte zum ersten Mal die Werke von zwölf europäischen Roma-Künstlern. So wurde einem internationalen Publikum bewusst, welch kreative Potenzen die größte Minderheit in der Europäischen Union besitzt – über traditionelle „Zigeunerkünste“ wie Musik und Tanz hinaus. Zwar sind Roma meist nur Bürger zweiter Klasse. Dennoch konnten sich viele aus der gesellschaftlichen Isolierung befreien, freilich oft nur durch Verleugnung ihrer Herkunft. Roma-Künstler, die durch die Biennale ausgewählt worden waren, werden erstmals mit ihren Werken bei uns zu sehen sein. So gelingt vielleicht ein neuer Blick auf ein weiterhin unbekanntes und in seinem Anspruch auf Menschenwürde und Bildung vergessenes europäisches Volk. In einer Sonderausstellung werden Kinder des Schulprojektes „Amaro Kher“ und der Jungendkunstschule ihre Arbeiten präsentieren.

 

ROMA IN DER KUNST

Schon vor Jahren haben einige Kölner Künstler Kontakt zu Roma-Familien gefunden, die in Köln Zuflucht vor Krieg und Verfolgung gesucht hatten. Ihre Werke: Fotografien, Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen sowie Installationen sind ein Versuch sich der Kultur, dem Schicksal und dem Alltag der Roma künstlerisch zu nähern. Mit dieser parallelen Präsentation von Werken der Roma-Künstler und Werken der Kölner Künstler sollen unterschiedliche Sichtweise und künstlerische Methoden gegenüber gestellt und wechselseitig Bilder und Vorurteile von scheinbar einander Fremden relativiert werden.Damit soll ein Dialog begonnen werden, sowohl unter den Künstlern, als auch in der Öffentlichkeit zwischen Roma und Nicht-Roma.

 

KITSCH, KONVENTION UND KUNST – Das Bild der „Zigeuner“ in der Malerei seit dem 15. Jahrhundert.

Unsere Köpfe sind voll von Klischees und Vorurteilen über die „Zigeuner“. Massive Spuren hat vor allem die populäre Ikonographie hinterlassen, gemeinhin als Zigeuner-Kitsch bekannt – verstärkt von oft diskriminierenden Berichten und Illustrationen der Massenmedien. Aber auch in der europäischen Malerei wird seit Stefan Lochner und Caravaggio ein Bild vom „fahrenden Volk“ tradiert, das diese Menschen als Projektionsfläche von Ängsten, Sehnsüchten, Exotismen und anderen skurrilen Phantasien nutzt bzw. benutzt. Nur wenige Künstler, wie der Düsseldorfer Otto Pankok, nähern sich in ihren Werken dem Verfolgungsschicksal und dem realen Menschsein der Sinti und Roma. Die Ausstellung wird auch Beispiele dieser bildmächtigen Wahrnehmungen zeigen, u.a. durch eine Diashow der Uni Trier.

Kurzführer – Zeitgenössische Künstler und Schriftsteller

Daniel Baker

Geboren 1961, aus einer „Gypsy“-Familie in Kent (GB), lebt.  Er arbeitet als Künstler in London.

Ausbildung:
2006   PhD Royal College of Art, London – ‘Site Unseen: The role of Gypsy Aesthetics in the Transmission of Cultural Agency‘ (AHRC)
2002   MA in „Gender and Ethnic Studies“

Eigene Ausstellungen und Projekte:
2008   The New Gilt, Feinkost, Berlin
2008   Interfere, fünfwöchiges Stipendium am „Centre for Drawing Project Space“ des „Wimbledon
College of Art“ in London
2006   lookinglass, Novas Gallery, London
2005   No Travellers, Victoria Hall, Oakham, Rutland
2003   Bodies, Corn Exchange Gallery, Newbury
2000   Romani Jivapen Jinapen, Bronzemedaille, in Auftrag gegeben vom BAMS, British Museum

Lita Cabellut

Die Spanierin Lita Cabellut wurde 1961 in Barcelona geboren und wuchs in einer armen Gitano-Familie auf. Nach 13 Jahren des Straßen- und Waisenlebens wurde sie adoptiert. In diesem neuen Lebensabschnitt entdeckte sie das Pradomuseum. Die Werke Goyas, Velazquez‘, Riberas und Rembrandts faszinierten sie. Eines ihrer bevorzugten Statemens, um ihre Leidenschaft zu beschreiben, lautet: „I married very young, my first marriage was with the art“. Mit 17 stellte sie das erste Mal im Rathaus von Masnou, Barcelona aus. Ihre Ausbildung Malerin erhielt von 1982 bis 1984 an der Rietveld Academy in Amsterdam.

Letzte Ausstellungen:
2008
– Grand Opening, Opera Gallery Dubai
– A la Mesa !, Opera Gallery Seoul
– Gypsy exhibition, KulturHaus Romno Kher, Manheim
– April exhibition, Opera Gallery London
– Gunther Zulauf Gallery, Karlsruhe
2007-2008
– Sport in Art, musea-tour-exhibition organized by Adidas, China 

Thomas F. Fischer

(* 4. Februar 1954 in Köln) ist als Performer, Zeichner und Installationskünstler tätig und hat als Musiker, Schauspieler und Bühnenbildner gearbeitet.
Thomas F. Fischer arbeitete von 1972 bis 1976 als Schriftsetzer, besuchte 1977 die Foolsschool Amsterdam (Django Edwards) und trat mit der Theatergruppe Het Dogtroep auf. Von 1976 bis 1979 war er Mitglied (Acting, Stage Design, Public Relations) des Freien Theaters „Vaganten“ (Regisseur Joachim Lang), mit Spielorten in Frankreich, Polen, Portugal und Deutschland. 1978 bis 1983 folgte ein Kunststudium in Köln als Meisterschüler bei Renate Lewandowski und Daniel Spoerri. Er erhielt 1993 den Förderpreis der Anker Bank für sein zeichnerisches Werk und war offizieller Teilnehmer  der Dokumenta in Kassel.

Judit M. Horváth

Geboren in Sárvár/ Ungarn. Hat zuerst als Krankenschwester gearbeitet, dann als professionelle Foto-grafin. Sie wurde Chefredakteurin von „Amaro Drom“ (Unser Weg), einem Roma-Magazin, nachdem sie als Freelancerin und Bildredakteurin für verschiedene Magazine gearbeitet hatte.
Sie ist Mitglied der „National Union of Hungarian Journalists“ und der „Alliance of Hungarian Photo-graphers“. Heute ist sie wieder als freie Künstlerin tätig.

Ausstellungen der letzten Jahren in:
Budapest, Wien, Helsinki, Kaunas, Paris

György Stalter

Stalter wurde 1956 in Budapest geboren. Nach seinem Abitur erlernte er das Handwerk der Fotografie und begann als Photoreporter für die Presse zu arbeiten. In Zusammenarbeit mit seiner Frau Judit M. Horváth veröffentliche er den Photoband „Another World“, mit Fotos aus Zigeunerdörfern in Ungarn und den Slums der Haupstadt.
Er gewann den „Budapest Photography Grant“ der „Municipal Pro Urbis Foundation“ für seine Mutter „Jó…Józsefváros“ beim Wettbewerb für Pressefotos der „Association of  Hungarian Journalists“ in 2006.

Gabi Jiménez

 Geboren 1964 in Paris als Sohn spanischer Gitanos.
„Ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nicht woher ich komme, ich weiß nichts von mir, von uns. Dennoch habe ich Schwestern, Brüder, Cousins,  Menschen, die mir ähnlich sehen, aber die nicht meine Sprache sprechen. Manche Wörter, manche Aussagen führen mich jedoch zu mir, in meine Familie, es ist egal, wo ich bin, wenn ich mit den Menschen zusammen bin, zu denen ich gehöre, mit denjenigen, die ihr die Bohemiens nennt.“

Letzte Ausstellungen:
2008:
– Brüssel: rumänische und ungarische Botschaft (kollektive Ausstellungen)
– Lissabon/ Portugal: Calouste Gulbenkian Stiftung (Distanz und Nähe Programm Gulbenkian)
– La Rochelle/ Frankreich: Galerie Metisse (Dauerausstellung)
– Paris/ Frankreich: Verband der Menschenrechte/ Kulturwoche der Zigeuner, Domont
– Paris:Ungarisches Institut Paris – Kollektivausstellung „Paradise Lost“
– Venedig, Italien: das Erste Roma Pavillon auf der Internationalen Kunstbiennale in Venedig „La
Biennale di Venezia“ – 52. Internationale Kunstausstellung
– Paris: Kulturwoche der Zigeuner (mit Bireli Lagrène und Nouka Maximoff), Ermont

Harald Klemm

Harald Klemm wurde 1960 in Mönchengladbach geboren. Harald Klemm kombiniert in seinen Werken die ganze Bandbreite digitaler Medien zur Bildfindung mit traditioneller Malerei. In seinem Verfahren verwendet er den Computer gleichsam als modernes Zeichenwerkzeug, für die nachfolgende aufwendige Acryl- und Ölmalerei.
Sein Zugang zu seinen Sujets ist ausschließlich persönlich und subjektiv, und das sind auch seine Bilder. Als Nachbar eines Wohnheims, in dem Roma untergebracht sind, war es für ihn zwingend, sich mit ihrer Geschichte, Herkunft und Lebenssituation in seiner Kunst auseinander zu setzen; mit dem was uns fremd ist, dem wir mit Vorurteilen begegnen und was unsere Ängste spiegelt. Die Werke von Harald Klemm sind in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt worden und in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Ausstellungen:
2008
– „Zwei mal zehn in Halle 10“, CAP-Cologne Halle 10, Köln, (GA)
– „Einen AUGEN-Blick bitte!“, Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V., (GA, Katalog)
2007
– „Dolly“, Komposition für Video, Tonspur und Bratsche, (mit David Graham), Kultur Bahnhof Eller, Düsseldorf
– „Die 9. Artconnection“ – Im Zeichen der Roten Schleife, Köln
– „Trzeba Miec Nosa – Have A Good Nose“, Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V., (GA, Katalog)
– „Language / Environment“, Museum of Contemporary Art, Beijing, China, (GA, Katalog)
– „Romeo und Julia“, Raab Galerie, Berlin, (GA)
– „Soll? und Haben [Wunschbilder]“, Halle Altes Rathaus, Museen der Stadt Schweinfurt, (GA, Katalog)
2006
– „Deutsche Einheit“, (mit Thomas Baumgärtel), Galerie Alte Reichsvogtei, Museen der Stadt Schweinfurt (Katalog)
– „Tischgesellschaften“, Raab Galerie, Berlin (GA)
– „lent me your ear“, Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V., (GA, Katalog)
– „Blühende Landschaften“, (mit Thomas Baumgärtel), Galerie F, Bad Nauheim
– „Inside Out“, Raab Galerie, Berlin (EA)

Jovan Nikolić

Geboren 1955 in Belgrad. Beide Eltern sind Musiker: Die Mutter, eine Serbin, singt, der Vater, ein Rom, spielt Saxophon. Seine Kindheit verbringt Jovan Nikolić auf Reisen mit den Eltern, dann in einem Roma-Viertel in der Kleinstadt Čačak, wo er die Schule besucht und anschließend eine Ausbildung als Maschi-nen­ingenieur absolviert.
1981 veröffentlicht er in Beograd seinen ersten Gedichtband, dem bis 1998 fünf weitere folgen. Als Lyriker, Dramatiker, Kolumnist, Kabarettist und Songtexter (unter anderem für Kusturicas Film „Schwarze Katze, wei­ßer Kater“) kommt Jovan Nikolić zu literarischen Ehren und einer bemer­kenswerten Popularität. 1999 emigriert er nach Deutschland. Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung, der Akademie der Künste Berlin, des deut­schen PEN-Zentrums und des Cultural City Network Graz. Im Jahr 2000 wird sein (zusammen mit R. Sejdović verfasstes) Antikriegsstück „Kosovo mon amour“ bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt. Seit 2002 ist er Vize­präsident des Internationalen Romani Schriftstellerverbandes IRWA, sowie Mitarbeiter des Rom e.V.

Eva Ohlow

1940 in Köln geboren.

Ausstellungen (eine Auswahl der letzten Jahre):
2008
– Ägyptisches Museum, Bonn;
– DFG & Wissenschaftszentrum, Bonn;
– Photo, Miami;
– AGC Museum, Athen
2007
VULKAN.Köln;
– art Karlsruhe 2007;
– Kunstverein Siegen e.V., Siegen;
– KIAF 2007, Seoul
2006
– Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln, Schloss Wahn
– KIAF 2006, Seoul;
– Kunstverein Aalen e.V., Aalen;
– Galerie Reitz, Köln
2005
– Kunsthalle Fridericianum, Kassel;
– Kunstverein Harburger Bahnhof e.V., Hamburg;
– ART Bodensee;
– Kunsttreff Faulturm, Köln;
Mehrere Kunst am Bau – Projekte  (u.a. Agrippabad Köln)

Katarzyna Pollok

Geboren 1961 in Kiew, aufgewachsen in Polen, 1983 nach Berlin übergesiedelt, lebt z.Zt. in Berlin-Kreuzberg.
Ausstellungen u.a. in Australien (2003), Indien (2001, 2003 und 2006), Teilnahme an verschiedenen Konferenzen und Workshops (New Delhi 2002 und 2006, Istanbul 2005, Stockholm 2007)

Nihad Nino Pušija

Geboren 1965 Sarajevo, Bosnien. Lebt in Berlin, Deutschland.
2007 Teilnehmer der Biennale Venedig (Roma-Pavillon)
1994 Projektleiter von „Zyklop foto fabrik“, einer Gruppe junger Künstler, die ihr Studium wegen des Krieges im früheren Jugoslawien abgebrochen hatten und vom Kunstamt Kreuzberg und der NGBK (Neue Gesellschaft für Bildende Kunst) in Berlin unterstützt wurden. Ihre Hauptthemen sind: Bosnien, Flüchtlinge, Konfliktlösung, Integration und Roma in Europa.
1988 – 1992 Künstlerische Fotoprojekte und Studium in England, Belgien, Italien und den USA.

Ruždija Sejdović

Geboren in Ubli bei Podgorica/ Montenegro, am Jahr 1966. Schreibt Gedichte, Kurzprosa und Dramen auf Romanes und Serbisch. Übersetzt vom Serbischen und Deutschen ins Romanes. Beschäftigt sich mit Kunst (Malerei, Kupferstich)

Veröffentlichte Gedichte und Kurzprosa:
Omladinski Pokret, Četinje (1981, 1983, 1985)
Krlo e Romengo- Glas Roma (1983)
Khamutne dive (1987)
Književna revija, Osijek (1989)
Romano lil – Romablatt, Köln (1989-1991)
Jekh čhib, Köln (1994)
Romano Nevipe (1997)
Kosovo mon Amour,  Tragikömödie (2004)

Kálmán Várady

1958 geboren in Hoffnungsthal
1979-84 Studium an der FH Köln, Freie Malerei
1986 Meisterschüler bei Prof. Werner Schiefers
Künstlerischer Schwerpunkt sind Arbeiten zum Thema Fetisch und Reliquie
Kálmán Várady lebt und arbeitet in Köln.

Bronisława „Papusza“ Wajs

Dichterin, 30. Mai 1910 – 8. Februar 1987.
Bronisława Wajs, deren Roma-Name Papusza (Puppe) lautet, ist einer der weltweit ersten Roma-Autornnen. Während Alexander Germano (1893, Russland) oder Matéo Maximoff (Frankreich) es schafften, ihre Werke zu veröffentlichen, schuldet Papusza ihre „Entdeckung“ und Veröffentlichung ihrer Gedichtsammlungen dem bekann-ten polnischen Dichter Julian Tuwim und vor allem dem polnischen Wissenschaftler Jerzy Ficowski.

Aus der Autobiographie der Autorin:
Als ich dann 13 Jahre alt wurde, war ich dünn und flink wie ein Eichhörnchen, nur war ich schwarz. Ich las und die Zigeuner lachten mich deswegen aus und bespuckten mich. Sie lästerten über mich und, in Missachtung, las mich mehr und mehr. Wie oft weinte ich, und trotzdem führte ich das fort, was ich wollte. Ich meldete mich in der Bibliothek an und lieh jegliche Bücher aus, die ich in die Finger kriegte, weil ich nicht wusste was gut und was nicht gut war. Ich bat meine Familie darum, mich in der Schule anzumelden, jedoch interessierten sie sich nicht das Geringste dafür. „Bitte, du, eine Zigeunerin, willst Lehrerin werden?“ Also ließ ich sie in Ruhe und las einfach weiter und weiter.

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Kurzführer – Historische Abteilung

Das Bild der Zigeuner in der europäischen Kunst
und populären Illustration

Die Figur des „Zigeuners“ hat die europäische Kunstgeschichte seit dem 15 Jahrhundert in überreichem Maße beschäftigt. Es existieren ungezählte Gemälde und Graphiken mit diesem Motiv aus allen Ländern und Epochen. Allein das Archiv des Rom e.V. hat fast 2000 Beispiele gesammelt.

Diese Bilder von den „Zigeunern“ haben sich in unser aller Bewusst-, ja Unterbewusstsein tief eingegraben und sind jederzeit abrufbar. Mit dem Aufkommen der Massenpresse im 19. Jahrhundert wurden diese als Holzstiche und Lithographien in Zeitschriften verbreitet und das sog. Zigeunerleben in Postkartenmotiven, Liebig-Sammelbildern und in Kitschgemälden mit der „rassigen“ (!) Zigeunerin weiter popularisiert. Kirchliche und staatliche Behörden verdinglichten diese Konstruktion des „Zigeuners“ in den Zuschreibungen ihrer Edikte, Fahndungsplakate und Justizakten.

Seitdem assoziiert jeder mit dem Wort „Zigeuner“ die zuvor in all diesen Medien gefällten „Urteile“ von nomadisierenden, abgerissenen Gruppen, mit zahllosen Kindern, die als Bettler, Diebe, Messerstecher unser Land unsicher machen. Die Angst vor diesen Fremden vermischt sich mit der Faszination für ein Leben, das sich angeblich den bürgerlichen Pflichten, der Arbeit, der Disziplin und den moralischen Zwängen entzieht und mit den Phantasien von sexuell freizügigen Frauen, die zudem einen magischen Zugang zur Zukunft haben. „Bohémien“ – mit dieser französischen Bezeichnung für Zigeuner versuchen Künstler des 19. Jahrhunderts ihre antibürgerliche Existenz zu idealisieren.

Aber es gibt immer wieder Vertreter der Klassik und der Moderne, die die Nähe zu dem gejagten Volk suchen, mit ihm leben und die versuchen, ihm auf Augenhöhe und mit Sympathie zu begegnen und ein Bild zu zeichnen, das sie als Individuen wahrnimmt.

Die Themen der historischen Abteilung

1. Eingangsbereich

Die hier gezeigten dreißig Gemälde gegenüber der Bar und an der Treppe unten und oben mit Darstellung der leicht lasziven und doch „stolzen, geheimnisvollen Zigeunerin“ haben der Künstler Kálmán Várady und der Rom e.V. auf Flohmärkten erworben. Bis vor wenigen Jahrzehnten gehörte „Die Zigeunerin“ zum selbstverständlich Inventar vieler kleinbürgerlicher Wohn- und Schlafzimmer wie der röhrende Hirsch und die Schweizer Bergwiese.

In den Vitrinen amTreppenaufgang zeigen wir die alltägliche Präsenz von „Zigeunerischem“, wie sie in der Gastronomie, angefangen beim Zigeunerschnitzel, in der Mode und vor allem in der boomenden Esoterik immer wieder begegnet. Nicht zuletzt in vielen Frauenromanen, wo die Sehnsucht nach zigeunerischer Leidenschaft kultiviert wird.
Die Sammelbilder-Collage erinnert an die Zeit als solche Bildchen in Millionenauflage Alltagsprodukten wie Schokolade beigelegt wurden und vor allem das Bild vom „lustigen Zigeunerleben“ bei Kindern prägten.

2. Alte Meister (Erste Wand rechts)

Vier Gemälde in Reproduktion aus der Zeit zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert zeigen Zigeunermotive in unterschiedlichem Kontext: Lochner und Mostaert versuchen den ausgegrenzten Fremden einen Ort im Heilsgeschehen zuzuweisen.
Lytens und Caravaggio spielen mit stereotypen Wahrnehmungen der Minderheit.

3. Dia-Schau: Das Bild des Zigeuner in der europäischen Malerei (Leinwand an Notausgang)

Die Dia-Schau zeigt 70 Gemälde sowie Grafiken seit dem 15. Jahrhundert. Die Bilderabfolge ist zum Teil zu Themen zusammengefasst, die bestimmte Stereotypen erkennen lassen: Zigeunerlager, Wahrsagen, Diebstahl, Betteln, Kindesraub, Tanz etc.
Die Dias lösen sich alle 15 Sekunden ab. Ein kleines Heft kann vor Ort eingesehen werden und enthält Erläuterungen.

4. August Sander (zweite Wand rechts)

Der Kölner Fotograf August Sander hat in den zwanziger Jahren neben vielen anderen „typischen“ Berufen bzw. sozialen Gruppen seiner Zeit auch sechs Porträts von rheinischen Zigeunern geschaffen. Da zur Zeit zwei der Fotos nach Israel ausgeliehen sind, zeigen wir hier nur vier dieser Arbeiten, die die photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv als Original-Abzüge zur Verfügung stellte.

5. Klassische Moderne (dritte Wand rechts)

In der oberen Reihe hängen in Reproduktion Gemälde mit Zigeunermotiven aus Kölner Museen (Ludwig und Wallraf-Richartz), die wir teilweise in den Depots ausfindig machen konnten. Neben den expressionistischen Malern Max Beckmann, Emil Nolde und Otto Mueller ist rechts der preußische Pferdemaler Emil Volkers zu sehen.
In der unteren Reihe zeigen wir die Bilder der sog. Zigeunermappe von Otto Mueller, die der Rom e.V. erworben hat. Mueller hat diese Menschen bei einem Aufenthalt auf dem Balkan getroffen, mit ihnen gelebt und sie porträtiert.

6. Otto Pankok (Stirnwand)

Die Leiterin des Otto-Pankok-Museums in Hünxe, Eva Pankok, hat dem Rom e.V. acht originale Kohlezeichnungen des großen rheinischen Malers für die Ausstellung überlassen. Sie zeigen namentlich genannte Sinti, meist Kinder, mit denen er in den dreißiger Jahren auf dem Heinefeld in Düsseldorf zeitweise zusammenlebte und zu denen er sich trotz NS-Repressalien bekannte.

7. Dina Gottliebova (linke Wand im selben Gang)

Als jüdische Inhaftierte in Auschwitz musste die jüdische Malerin Dina Gottliebova auf Befehl des KZ Arztes Mengeles sechs zur Vernichtung bestimmte Zigeuner porträtieren, um deren „Rassemerkmale“ festzuhalten. Ihre individuellen Bilder unterlaufen die Absicht des NS-Mörders.

8. Apollinaire – Picasso – Rilke (Rückwand zu Gottliebova)

Prof. Dr. Kurt Rössler, als Apollinaire-Forscher international bekannt, hat vor kurzem die These vorgelegt, wonach Apollinaires rheinische Zigeunergedichte von 1901/02 dessen Freund Pablo Picasso maßgeblich zu den Gauklermotiven seiner Rosa Periode inspirierten. Das Gemälde „Les Saltimbanques“ aus dieser Zeit wiederum beeinflusste Rilke bei der Ausarbeitung seiner 5. Duineser Elegie. Eine ausführliche Darstellung dieser These veröffentlichte Prof. Rössler in einer Monographie, die im Verlag des Rom e.V. rechtzeitig zur Eröffnung dieser Ausstellung erschienen ist. Sie ist für 12€am Büchertisch oder beim Rom e.V. erhältlich.

9. Hubert Berke (linker Gang Stirnwand)

Die Künstlerin Brunhilde Berke lernte als junges Mädchen eine Kölner Sintifamilie kennen und schloss mit deren Kinder Freundschaft. Ihr Freund und späterer Ehemann Hubert Berke, der bekannte rheinische Maler aus der Schule Paul Klees, porträtierte damals diese Kinder in Aquarellen. In der Vitrine sind die Zeugnisse dieser Freundschaft vom Anfang der 30er Jahre ausgestellt, darunter viele Originalfotos und auch rührende Briefe, die sich Brunhilde und die Sinti-Kinder einander schrieben.

10. Kunstwerkstatt Amaro Kher (linker Gang erste und zweite Wand von hinten)

Die Kunstpädagoginnen Rabea Müller und Angi Preß haben über ein Jahr mit einer Gruppe von Romakindern in Amaro Kher, der Vorbereitungsschule des Rom e.V., künstlerisch gearbeitet. Einige ausgewählte Ergebnisse dieser beeindruckenden Arbeiten werden in Petersburger Hängung und in einer Vitrine ausgestellt.

11. Thomas F. Fischer – Amaro Kher Kreativ-Workshop (linker Gang, dritte Wand)

Der Performance-Künstler und Zeichner Thomas F. Fischer, dessen Vorfahren einer Familie südfranzösicher Manouches (Sinti) entstammen, war bereits offizieller Teilnehmer der Dokumenta in Kassel. Er hat mehrere Monate mit Romakindern aus Amaro Kher gearbeitet. Die Kinder, die erst sehr verunsichert waren wegen der MS-Behinderung des Künstlers, überwanden bald ihre Hemmungen und fanden im Workshop zu einer herzlich-warmen und kreativen Zusammenarbeit, aus der die hier gezeigten farbintensiven Arbeiten hervorgingen.

12. Zigeunerfrieda (linker Gang, vierte Wand)

Im Bücherschrank unseres Vorstandsmitglieds Günter Wallraff entdeckten wir vor Jahren ein Kinderbuch aus der Kaiserzeit, das im Stil Wilhelm Buschs ungezogene Kinder einschüchtern sollte. Ein Onkel Knolle tadelte, warnte und bestrafte all diese bösen Rangen. Die jungenhaft-freche Frieda trieb es besonders schlimm, unbezähmbar halt wie, na ja, eine kleine Zigeunerin. Aber wir sehen hier ja, was sie davon hat.

13. Roma-Flüchtlinge in Köln seit 1986 und der ROM e.V. (linker Gang Stirnwand vorne)

Die Ausstellung „Die vergessenen Europäer“ verdankt ihre Entstehung der jahrzehntelangen Auseinandersetzung um das Bleiberecht der Roma, die in Köln seit 1986 vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg Zuflucht suchten. Seitdem kämpft der Rom e.V., unterstützt von vielen KölnerInnen, darum, dass die Menschen bei uns eine neue Heimat und Zukunft finden. Viele Roma konnten in anderen Ländern, freilich oft nur unter Verleugnung ihrer Herkunft, in Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft und Politik erfolgreich sein.
Damit die Romaflüchtlinge nicht die „Vergessenen Kölner“ bleiben, will der Rom e.V. auch auf die kreativen Möglichkeiten der Minderheit aufmerksam machen. Bleiberecht, Wohnung und Bildungschancen bei uns sind freilich Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. Wir alle müssen uns fragen lassen, ob nicht die lange Tradition antiziganistischer Vorurteile, mit denen die Ausstellung auch konfrontiert, unser Engagement immer wieder lähmt.

14. Verfolgung der Zigeuner in Köln (Vitrine neben Rom e.V. Wand)

Originaldokumente aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln, dem Karnevalsmuseum und andere Belege zeigen, wie menschenverachtend Stadt und Erzbischof jahrhundertelang die Zigeuner drangsalierten.

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Katalog zur Ausstellung

vergessene_europaeer_k

21 x 30 cm, 168 Seiten
mit 250 Farbabbildungen.
ISBN 978-3-9803118-8-5
Das Katalog kann über den Rom e.V. Köln für 25 Euro bezogen werden.

Sie erhalten einen Mengenrabatt, wenn Sie drei oder mehrere Exemplare bestellen.
Je Exemplar 25,0 EUR, ab drei Exemplare 15,0 EUR.