Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, verstarb der Motor, Mentor und Menschenrechtler Kurt Holl im Alter von 77 Jahren.

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Kurt Holl

Geboren 1938 wurde er 1956 durch den Aufstand in Ungarn politisiert und machte bis zu seinem Lebensende die Auseinandersetzung mit Ungerechtigkeiten und gesellschaftlichen Missständen zu seinem Lebensinhalt, mit dem Ziel, die Verhältnisse grundlegend zu verändern.

Er kämpfte z.B. gegen den Krieg in Vietnam, für verbesserte Rechte der mit Pflichtarbeit belegten Sozialhilfeempfänger, für den Erhalt von Wohnungen türkischer „Gastarbeiter“, den Erhalt des EL-DEHauses als Gedenkstätte und seinen Ausbau zum Dokumentationszentrum; für die Entschädigung der Zwangsarbeiter sowie den Erhalt der Bäume auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring – dies nur eine Auswahl seiner Aktivitäten.

1986 gründete er mit anderen Engagierten die Roma-Initiative, 1987 den Verein Rom e.V., in dessen Vorstand er bis zu seinem Tode, zuletzt als Ehrenvorsitzender, aktiv war.

Durch seinen unermüdlichen, ja unerbittlichen Einsatz „in Sachen Roma“ veränderte er nicht nur in Köln die Sicht auf und den Umgang mit Roma; er erreichte u.a. Wiedergutmachung für Sinti, Bleiberecht für viele Roma und kämpfte mit ihnen für gesellschaftliche Teilhabe, Chancengleichheit und Integration. Die Aufarbeitung und Erinnerung an den NS-Völkermord an Sinti und Roma hat er früh mit angestoßen. Mit der gemeinsam mit Gunter Demnig gelegten Spur („Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“) im Jahr 1990, aus der sich nach dem ersten Stein vor dem Rathaus im Jahr 1992 die „Stolpersteine“ entwickelten, hat er ein dauerhaftes Erinnerungszeichen mit geschaffen.

Das Archiv im Rom e.V. und das Schulprojekt Amaro Kher sind wesentlich durch seinen Einsatz entstanden. Darüberhinaus veröffentlichte er Bücher zum Thema sowie die Vereinszeitschrift, organisierte Ausstellungen und Kongresse.

Vom Lehrer mit Berufsverbot, „schwarzen Schaf“ und fundamental Oppositionellen der Kölner politischen Landschaft wurde Kurt zum anerkannten, aber nicht unbedingt geliebten Experten für Fragen zur Integration von Roma-Migranten in Deutschland und schließlich auch dafür geehrt: 2007 wurde ihm der Rheinlandtaler verliehen. Zusammen mit Hedwig Neven DuMont, die mit „wir helfen“ u.a. auch die Arbeit des Rom e.V. stark unterstützt, erhielt er 2011 die alternative Ehrenbürgerschaft Kölns.

Die Kölner Stadtgesellschaft hat einen wichtigen zivilgesellschaftlichen Akteur verloren.
Wir vom Rom e.V. werden ihn schmerzlich vermissen. Sein Elan, seine Kreativität und sein Engagement werden weiterhin für unsere Arbeit vorbildhaft sein.

Der Vorstand des Rom eV.,
stellvertretend auch für alle MitarbeiterInnen und alle Vereinsmitglieder