{"id":151,"date":"2013-11-05T15:21:58","date_gmt":"2013-11-05T13:21:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amaro-kher.de\/romev\/?page_id=151"},"modified":"2016-10-25T10:53:27","modified_gmt":"2016-10-25T09:53:27","slug":"roma-kultur-karawane","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=151","title":{"rendered":"Roma-Kultur-Karawane"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<p>Der Roma-Schriftsteller Jovan Nikolic hat f\u00fcr den Rom e.V. K\u00f6ln die sog. Kulturkarawane initiiert.<\/p>\n<p>Er hat ein umfassendes Themenangebot zur Kultur und Geschichte der Minderheit ausgearbeitet. Jovan Nikolic bietet Schulen, Uni-Seminaren, Volkshochschulen und anderen Bildungstr\u00e4gern Vortr\u00e4ge und Seminare zu diesen Themen an sowie Lesungen aus seinen Werken: Kurzgeschichten und Lyrik. F\u00fcr Sch\u00fcler hat er einen Kulturkoffer im Gep\u00e4ck, der vielf\u00e4ltiges Anschauungsmaterial enth\u00e4lt.<a href=\"http:\/\/www.romev.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/kulturkarawane.jpg\" rel=\"prettyPhoto[gallery-qPEY]\" data-rel=\"lightbox-gallery-jOozIU8U\" data-imagelightbox=\"0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1250 alignright\" style=\"margin: 5px;\" src=\"http:\/\/www.romev.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/kulturkarawane-300x201.jpg\" alt=\"kulturkarawane\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/www.romev.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/kulturkarawane-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.romev.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/kulturkarawane-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.romev.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/kulturkarawane-600x403.jpg 600w, https:\/\/www.romev.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/kulturkarawane.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Buchung der Veranstaltungen:<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Kulturmanagement des ROM e.V.<br \/>\nVenloer Wall 17<br \/>\n50672 K\u00f6ln<\/p>\n<p>Tel 355 8174<\/p>\n<h4><strong>Themen\u00a0 der Kulturkarawane f\u00fcr Vortr\u00e4ge, Seminare und Projekte<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>Woher die Roma kommen<\/li>\n<li>Namen f\u00fcr die Minderheit und die Vielzahl der Gruppen<\/li>\n<li>Was die Roma glauben: Religion und Mythos, Rituale und Traditionen<\/li>\n<li>Die Sprache der Roma (Ergebnisse der Linguistik)<\/li>\n<li>Handwerke und andere Berufe der Roma<\/li>\n<li>Diskriminierung und Verfolgung in Geschichte und Gegenwart<\/li>\n<li>Roma Literatur<\/li>\n<li>Roma Musik und Tanz<\/li>\n<li>Bildende Kunst der Roma<\/li>\n<li>Filme von Roma-Regisseuren und das Bild der \u201eZigeuner\u201c im Film<\/li>\n<li>Das Bild der Roma in der europ\u00e4ischen Literatur und Kunstgeschichte<\/li>\n<li>Die Situation in den Herkunftsl\u00e4ndern der Roma- Fl\u00fcchtlinge<\/li>\n<li>Emanzipation: der Kampf der Roma f\u00fcr gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung<\/li>\n<li>Schule und Bildung f\u00fcr Roma. Kinder<\/li>\n<li>Deutsche Sinti und Roma<\/li>\n<li>Struktur von Familien und St\u00e4mmen (M\u00e4nner\/Frauen, Rolle der Alten, Rechtsprechung\/\u201cKris\u201c, Reinheit\/Unreinheit, Tabus\u2026<\/li>\n<li>Erfolgreiche Roma in Politik, Staatsdienst, Sport, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kunst und in den Selbstorganisationen.<\/li>\n<li>Theater der Roma in Europa<\/li>\n<li>Schausteller,Gaukler,Zirkus<\/li>\n<li>Traditionelle K\u00fcche der Roma<\/li>\n<li>Traditionelle Medizin<\/li>\n<li>Stadtf\u00fchrung: Geschichte der Zigeuner in K\u00f6ln und ihre Schaupl\u00e4tze<\/li>\n<li>Roma-Migration von der Ankunft in Europa im 14 Jh. bis zu Fluchtbewegungen und Arbeits -migration heute<\/li>\n<li>Antiziganismus<\/li>\n<li>Literatur und andere Medien zu Geschichte und Kultur der Roma<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Kurse und andere Angebote:<\/h4>\n<ol>\n<li>Roma-Kochkurs<\/li>\n<li>Romat\u00e4nze<\/li>\n<li>Romanes Sprachkurs<\/li>\n<li>Stadtf\u00fchrung: Verfolgung der \u201eZigeuner\u201c in K\u00f6ln<\/li>\n<li>Lesungen mit Roma-Schriftstellern<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Erl\u00e4uterungen zu den Themen der\u00a0 KARAWANE<\/h4>\n<p><strong>1. Woher die Roma kommen: Herkunft und Geschichte der Roma<\/strong><\/p>\n<p>Die Roma entstammen ethnischen Gruppen, die vor dem Jahr 1000 u.Z. im Norden und Nordwesten Indiens, vor allem im Gebiet des heutigen Delhi, Rajasthan und Punjab siedelten. In letzterem\u00a0 soll es sogar ein K\u00f6nigreich der Roma gegeben haben, Auch in Gebieten des heutigen Pakistan gab es Roma-St\u00e4mme, ebenso wie in der Provinz\u00a0 Sindh. [R1] \u00dcberf\u00e4lle und Eroberungsz\u00fcge muslimischer arabischer St\u00e4mme und der T\u00fcrken (Seldschuken) verursachten eine Massenflucht von Roma in den Westen, nach Iran, \u00c4gypten, Syrien, in die T\u00fcrkei, wobei sie sich in diesen L\u00e4ndern jeweils l\u00e4nger aufhalten konnten. Im 14. Jahrhundert gelangten sie \u00fcber den Bosporus nach Griechenland, Albanien, Bulgarien, Serbien, Rum\u00e4nien bzw. durch die Republik Moldau nach Russland. Der zweite Teil der Roma-Gruppen zog \u00fcber \u00c4gypten ins Maghreb und dann \u00fcber Gibraltar nach Portugal, Spanien und S\u00fcdfrankreich.\u00a0 Heute leben \u00fcber 13 Millionen Roma in der Welt &#8211; viele sind von Europa aus nach S\u00fcd- und Nordamerika und nach Australien gelangt. Die Roma geh\u00f6ren \u00fcberall zahlreichen verschiedenen \u201eSt\u00e4mmen\u201c an, die sich zudem durch Religion, Dialekte und Berufe unterscheiden.<br \/>\n<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>2. Namen f\u00fcr die Minderheit und die Vielzahl der St\u00e4mme<\/strong><\/p>\n<p>Meist kennt man in Deutschland neben dem Wort \u201eZigeuner\u201c nur die Doppelbezeichnung Sinti und Roma. Es gibt freilich Hunderte von Namen, je nachdem ob man Fremd- oder Eigenbezeichnungen meint oder die vielen Namen der einzelnen St\u00e4mme (s. Punkt 3) und historische Benennungen einbezieht . Die Worte Zigeuner, Zingaro, Cigan, Tigani sind abgeleitet vom griechischen Wort Athinganoi (\u201e Die Unber\u00fchrbaren\u201c) [R3] Die Namen Gypsy, Gitanos, Gitans, Gyptos kommen von dem Wort \u201eEgyptianos\u201c und sind aufgrund des Vorurteils entstanden, dass Roma aus \u00c4gypten gekommen seien. In Frankreich wurden sie Boh\u00e9miens und Saracens genannt. In Afghanistan hei\u00dfen sie Nuri, in Iran Lurie, und in der T\u00fcrkei Chingeni oder Kipti. In deutschen Urkunden werden sie auch \u201eHeiden\u201c oder \u201eTattern\u201c genannt. Der Name Rom\u00a0 kommt nach Ansicht des bekannten Romologen Paspati von einer Inkarnation des Hindu-Gottes Vischnu. Rom bezeichnet zudem in der Roma Sprache Mann bzw. Ehemann mit der neueren Nebenbedeutung \u201eMensch\u201c (\u00e4hnlich \u201eman\u201c im Englischen). \u201eManouches\u201c nennen sich die Zigeuner in Frankreich (vom Sanskrit-Wort \u201cManus\u201c), von ihm stammt in der Tat unser Wort \u201eMensch\u201c ab. Die Bezeichnung \u201eSinti\u201c geht, so glaubt man, auf den Namen des Gebietes zur\u00fcck aus dem viele Zigeuner stammen: die Provinz Sindh in Pakistan. Die meisten Roma lehnen Fremdbezeichnungen ab, daher ist es sinnvoll, sie selbst zu fragen, wie sie genannt werden wollen. Der Rom e.V. hat sich der Sprachregelung der Welt-Roma-Union und\u00a0 des Europarates angeschlossen, die den Begriff \u201eRoma\u201c als politische Allgemeinbezeichnung f\u00fcr alle unterschiedlichen Gruppen gew\u00e4hlt haben, ohne deren Eigenst\u00e4ndigkeit zu leugnen. Normalerweise geht man davon aus, dass \u201eZigeuner\u201c (Roma, Gypsies, Sinti etc)\u00a0 ein \u201eVolk\u201c bzw. eine sog. \u201eEthnie\u201c sind. In der Realit\u00e4t gibt es zahllose Gruppen, die unter diesem Namen, meist von Au\u00dfenstehenden\u00a0 subsumiert werden. Meist f\u00fchlen sich einzelne Familien der so Bezeichneten nur ganz bestimmten Gruppen bzw. sog. St\u00e4mmen zugeh\u00f6rig. So gibt es: Bojaschi, Chergara, Gurbeti, D\u017eambas, Erlije, Kale, Kalderaschi, Laleri, Lejascha, Lautaro, Lovara, Manuscha, Romanichal, Lingurari, Sinti, Thamari, Ursari, Xoraxane, Aschkali, \u00c4gypter usw. Sie legen auf ihre Unabh\u00e4ngigkeit Wert, leiten sich von bestimmten Ahnen ab, definieren sich \u00fcber das von den Ihren seit alters ausge\u00fcbte Handwerk, sprechen je eigene Dialekte, heiraten in der Regel meist untereinander und betonen oft ihre h\u00f6here Stellung gegen\u00fcber den anderen Gruppen. (\u201edas sind gar keine echten Zigeuner!\u201c) Dazu kommen heute noch die unterschiedlichen von der Mehrheitsgesellschaft\u00a0 \u00fcbernommenen Religionen, die verschiedenen Staatsangeh\u00f6rigkeiten und der unterschiedliche Grad der Assimilierung und Individualisierung.\u00a0 Ob \u201eJenische\u201c oder \u201e\u00c4gypter\u201c zu den Zigeunern z\u00e4hlen ist umstritten, obwohl die Mehrheit sie oft als solche bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>3. Was die Roma glauben: Religion und Mythos, die Rituale und die Tradition<\/strong><\/p>\n<p>Roma haben oft keine konfessionelle Identit\u00e4t d.h. formelle Kirchen- zugeh\u00f6rigkeit. Durch Migration und Aufenthaltszeiten in verschiedenen L\u00e4ndern und Kulturen, haben sie sich allerdings angepasst an die jeweilige Religion der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung. Sie nehmen teil an Riten, Feiertagen von Katholiken oder Muslimen (Sunniten und Schiiten) von Orthodoxen, Lutheranern und neuerdings verst\u00e4rkt an den Missionen evangelikaler Kirchen. Auch bestimmte Formen sehr alter religi\u00f6ser \u00dcberzeugungen sind bis heute erhalten. Etwa im Kult der indischen G\u00f6ttin Kali, die in Serbien Bibijaka hei\u00dft. Oder\u00a0 in der Verehrung der Schwarzen Sarah (Sara Kali) in Les Saintes Maries de la Mer (Frankreich), oder der Sainte Anne de Baupre in Quebec (Kanada). In den slawischen-orthodoxen\u00a0 Gebieten feiern sie Djurdjevdan (Ederlezi, Sankt Georgs-Tag), Ilindan, Ostern (Patradji) und St. Vasilica (Neues Jahr). Die Roma muslimischer Religion begehen die Feste Abijav, Alidjun (Ilindan), Ramadan und Bajram. Im katholischen Raum sind Wallfahrten besonders zu Marienheiligt\u00fcmern bei Zigeunern sehr beliebt, auch muslimische Roma beteiligen sich.\u00a0 Bei einigen Roma ist der Glaube an magische Dinge noch lebendig, den sie vermutlich\u00a0 auch aus Indien mitbrachten. Bekannt sind ja der\u00a0 \u201eBlick in die Zukunft\u201c mit Hilfe von Tarotkarten, Handlesen, Kaffeesatzdeuten und das sog. Drabaripe. Sehr bewandert sind auch heute noch viele Roma Frauen in Heilwissen und Kr\u00e4uterkunde. Auch Fetische spielen teilweise noch eine Rolle, insbesondere Pflanzen- und Tierteile, die als Amulett und Talisman verwandt werden. Verbreitet ist die Angst vor dem Wasser und vor allem vor Vampiren\u00a0 (Chohano) (!)[R2] .\u00a0 Es werden auch immer noch alte Rituale bei Geburt, Heirat, Tod und Begr\u00e4bnis praktiziert. Zentral ist die Beschw\u00f6rung des \u201eMulo\u201c (Geist des Verstorbenen), dieser gilt oft als gef\u00e4hrlich und rachs\u00fcchtig, solange er von etwas ihm Vertrauten in die Wohnung zur\u00fcckgelockt wird: deswegen werden oft noch das Bettzeugs des Verstorbenen und andere pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde verbrannt. Manchmal sogar der ganze Wohnwagen, falls noch in Gebrauch.<\/p>\n<p><strong>4. Die Sprache der Roma<\/strong><\/p>\n<p>Das Romanes (Romani Chib) wird als Sprache der Roma und Sinti bezeichnet. Trotz der unterschiedlichen Gruppen, die sich oft nicht verstehen, enthalten die Dialekte letztlich Grundelemente des Sanskrits, sind also Varianten des Indogermanischen bzw. des\u00a0 Indoarabischen. &#8211; auch wenn es nur knapp 800 Worte und einige grammatische Strukturen. mit solchen Wurzeln gibt. Die von Linguisten rekonstruierte Grammatik des Romanes ist dennoch differenziert und hat z.B. 8 F\u00e4lle[R4]\u00a0 und 5 Zeiten. Um die Verst\u00e4ndigung unter den Roma zu verbessern beauftragte der 4. Weltkongress der Romani Union (1990) eine internationale Arbeitsgruppe von Linguisten, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Standardisierung des Alphabetes und der Sprache zu unterbreiten. Inzwischen gibt es viele relevante B\u00fccher \u00fcber die Roma-Sprache und Grammatik. Diese Sprache wird bereits unterrichtet und zwar an den Universit\u00e4ten in Prag, Nitra, Paris und Bukarest. Bekannte Roma Linguisten sind Rade Uhlik (Bosnien) Dr.Rajko Djuric (Serbia), Dr. Marcel Courtiades (Frankreich), Gheorgiu Sarau (Rum\u00e4nien), Ian Hankock\u00a0 (USA,Texas).Man muss allerdings auch wissen, dass Millionen von Roma kein Romanes mehr sprechen, entweder weil es ihnen von der Staatsgewalt schon vor hunderten Jahren mit harten Strafenandrohungen verboten wurde oder weil Akkulturationsprozesse besonders bei jungen Leuten zum Sprachverlust f\u00fchrten.<\/p>\n<p><strong>5. Handwerke und andere Berufe der Roma<\/strong><\/p>\n<p>Die Roma-Gruppen definieren sich meist \u00fcber die traditionell ausge\u00fcbten Handwerke (s.o.). So gab es Schmiede, Kesselmacher, Bauern (!), Musiker, T\u00e4nzer, Zirkus Artisten, Pferdeh\u00e4ndler (D\u017eambas)\u00a0 Messerschleifer und Werkzeugmacher, Trogmacher, Siebmacher, B\u00e4renf\u00fchrer, Ambrelisten (Regenschirmreparateur),\u00a0 Federsammler, Schuhputzer, Schrottsammler (Recycling) d.h. Verwerter von Abf\u00e4llen (Metalle, Holz, Glas, Papier, M\u00f6bel, Zeug).Als normales Gewerbe galt den Roma auch Betteln und Wahrsagen, meist von Frauen ausge\u00fcbt. Die meisten der o.g. Handwerke werden mit der industriellen Massenfertigung, vor allem von Kunststoffprodukten, oder aber wegen der beh\u00f6rdlichen Schikanen gegen das Reisegewerbe nur noch selten ausge\u00fcbt. Immer mehr Roma sind deswegen \u2013 sofern sie Arbeit finden \u2013 als Fabrik-Arbeiter und modernere Handwerker (Maurer, Schreiner, Elektriker etc.), kleine Gesch\u00e4ftsleute und H\u00e4ndler t\u00e4tig; besonders in S\u00fcdosteuropa und Spanien sind viele Roma in Verwaltungsjobs (auch Polizei) und in akademischen Berufen t\u00e4tig. In Serbien gibt es derzeit fast 5000 Studenten aus Roma Familien.<\/p>\n<p><strong>6. Diskriminierung und Verfolgung<\/strong><\/p>\n<p>Seit ihrer Ankunft in Europa ab ca. 1400 wurden \u201eZigeuner\u201c Opfer von negativen Vorurteilen, die sich zum einem regelrechten System von Zuschreibungen entwickelten, das man analog zum Antisemitismus auch Antiziganismus nennt. Man unterstellte den Zigeunern Spionage, Zauberei, Diebstahl, Kinderhandel, Kannibalismus Seuchenverbreitung usw. Das f\u00fchrte zu immer schlimmeren Ausgrenzungen und Verfolgungen. In Rum\u00e4nien lebten sie von 1400 bis 1891 als Leibeigene von Gro\u00dfgrundbesitzern und Kl\u00f6stern, in Spanien wurden sie Opfer der Inquisition und sp\u00e4ter des Franco-Regimes, in deutschen L\u00e4ndern wurden sie in 148 Edikten zwischen 1500 und 1800 als vogelfrei erkl\u00e4rt, die ihre Vertreibung und Ermordung legitimierte. Im geeinten Deutschland wurden sie seit Ende des 19 Jhs. von der Polizei systematisch erfasst und ihre Niederlassung. behindert. Schlie\u00dflich fand die jahrhundertelange Verfolgung und ihre neuerliche Definition als fremde, minderwertige Rasse durch die Eugenik ihren H\u00f6hepunkt in der Deportation und[R5]\u00a0 Vernichtung von Hunderttausenden europ\u00e4ischer Zigeuner durch den Nazismus. Am 20.Mai 1940 Wurden tausend Sinti und Roma aus K\u00f6ln in Lager nach Polen deportiert.<\/p>\n<p><strong>7. Roma Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es \u201eLiteratur\u201c der Roma nur als m\u00fcndliche \u00dcberlieferung. Sie lebt bis heute fort in Liedern (auch Einschlafliedern) Balladen, Gebeten, M\u00e4rchen, Schw\u00e4nken und Witzen, Gedichten (Paramici) und R\u00e4tseln (Xoxavne, Garadine \u00c1lava). Mittlerweile gibt es eine reiche Roma Literatur: Romane, Autobiographien, Lyrik, Liedtexte, Theaterst\u00fccke, Film-Drehb\u00fccher und vor allem die zahllosen Zeitschriften sowie Websites, die von Roma Vereinen, Publizisten und Politikern der Minderheit von Norwegen bis nach Australien verfasst werden. Bekannte Roma Schriftsteller sind u.a.: Bronislaw Wajs Papuscha 1909-1987, Rom Lebedev1903-1989, Gina Ranjicic, Mateo Maximof 1917-1985, Slobodan Berberski, Rajko Djuric, Jovan Nikolic, Ruzdija Sejdovic, Ali Krasniqi, Dezider Bang, Mariela Mehr, Bari Karoly, Philomena Franz, Veijo Baltzar, Ceia Stojko , Ilija Jovanovic, Monika Kalanyu.<\/p>\n<p><strong>8. Roma Musik und Tanz<\/strong><\/p>\n<p>Die Roma-Musik hat ihre Wurzeln zweifellos in Indien.<br \/>\nIn iranischen Dokumenten des 3. Jahrhundert ist z.B. von Tausenden indischer Musikanten, die Rede, die vermutlich Roma waren. Zwar nehmen die Roma auf ihrem langen Weg nach Europa Musikstile anderer V\u00f6lker auf und verwandeln sie sich an. [R6] [R7] Rhythmische und melodische Elemente wie etwa die sog. Zigeunertonleiter: CD-ES-F-G-AS-HC\u00a0 (Zigeuner-Moll) werden beibehalten. Dennoch sind die bekanntesten Zigeuner Musikstile (Flamenco, Swing und Balkanbrass) deutlich zu unterscheiden. Viele\u00a0 Komponisten wie etwa Liszt sind von der Roma Musik beeinflusst worden. In Europa gibt es tausende von Zigeunerbands.<\/p>\n<p><strong>9. Bildende Kunst<\/strong><\/p>\n<p>Unter einfachen Roma war die Laienmalerei immer sehr beliebt, etwa im Stil der Balkan Bauernmalerei. Seit einigen Jahrzehnten konnten einzelne Laienmaler auch gesellschaftliche Anerkennung finden, vor allem in Ungarn. Heute gibt es in allen L\u00e4ndern prominente Roma K\u00fcnstler. Auf der Biennale in Venedig 2007 wurden einige auch der internationalen Kunstszene pr\u00e4sentiert. In der BRD fanden mittlerweile viele Ausstellungen statt an denen auch Roma K\u00fcnstler beteiligt waren, so in K\u00f6ln Anfang 2009.<\/p>\n<p><strong>10. Filme von Roma Regisseuren und das Bild der \u201eZigeuner\u201c im Film<\/strong><\/p>\n<p>Roma sind inzwischen auch Filmemacher bzw. wirken als Autoren, Schauspieler und Berater bei Filmprojekten mit, z.B. bei Emir Kustorica. Als Journalisten erstellen sie auch TV- Beitr\u00e4ge. Am bekanntesten ist der Regisseur Tony Gatlif, der aus Algerien stammt und in Paris lebt, mit Filmen wie Gadjo Dilo, Wengo, Latcho Drom.<\/p>\n<p><strong>11. Das Bild der Roma in der europ\u00e4ischen Literatur und Kunstgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Unsere K\u00f6pfe sind voll von Klischees und Vorurteilen \u00fcber die \u201eZigeuner\u201c. Massive Spuren hat vor allem die popul\u00e4re Ikonographie hinterlassen, gemeinhin als Zigeuner-Kitsch bekannt \u2013 verst\u00e4rkt oft von diskriminierenden Berichten und Illustrationen der Massenmedien. Aber auch in der europ\u00e4ischen Malerei wird ein Bild vom \u201efahrenden Volk\u201c tradiert, das diese Menschen als Projektionsfl\u00e4che von \u00c4ngsten, Sehns\u00fcchten, Exotismen und anderen skurrilen Phantasien nutzt bzw. benutzt. Allerdings zeigen gro\u00dfe Maler wie etwa H. Bosch oder Gillis Mostaert auch gro\u00dfes Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Manche moderne\u00a0 K\u00fcnstler wie der D\u00fcsseldorfer Pankok n\u00e4hern sich in ihrem Werk dem realen Menschsein der Sinti und Roma auf dem Hintergrund ihres Verfolgungsschicksals. Auch in der Literatur lie\u00dfen sich viele Autoren vom Leben der Zigeuner oder was sie daf\u00fcr hielten, inspirieren; so Cervantes, Goethe, Puschkin, Lorca und Apollinaire<\/p>\n<p><strong>12. Die Situation\u00a0 in den Herkunftsl\u00e4ndern der Roma Fl\u00fcchtlinge<\/strong><\/p>\n<p>Tausende Roma sind seit Mitte der achtziger Jahre vor den B\u00fcrgerkriegen und vor rassistischer Repression bzw. ethnischer S\u00e4uberung aus S\u00fcd-Osteuropa geflohen. Auch wenn die milit\u00e4rische Bedrohung nicht mehr besteht, so leben die Roma dort immer noch in katastrophaler Armut, ohne Arbeit, ohne Sozialunterst\u00fctzung und gesundheitlicher Versorgung, meist in Slums, ja auf M\u00fcllhalden. Dazu kommen noch allt\u00e4gliche Diskriminierungen. Besonders schlimm ist die Lage im Kosovo, in Serbien und in Bosnien. In anderen Staaten kommt zur wirtschaftlichen Ausgrenzung eine zunehmende Aggression durch rassistische Gruppen wie die neofaschistische \u201eJobbik Partei\u201c in Ungarn oder durch Skinheadbanden in der Slowakei und in Tschechien. Fast \u00fcberall werden Roma Kinder aus der Regelschule ferngehalten und in Sonderklassen bzw. -schulen unterrichtet.<br \/>\nIn Westeuropa hat vor allem Italien zahlreiche Schikanen gegen Roma Fl\u00fcchtlinge beschlossen und in mehreren Gro\u00dfst\u00e4dten haben die rassistischen Ausf\u00e4lle der Berlusconi Beh\u00f6rden die Bev\u00f6lkerung zu Angriffen, ja zu Brandschatzungen von Roma Siedlungen und Unterk\u00fcnften animiert. In Deutschland ist selbst f\u00fcr Roma Familien mit Bleiberecht die Wohn- und Arbeitssituation extrem schwierig. Das Hauptinteresse der meisten Politiker und Beh\u00f6rden ist die m\u00f6glichst schnelle Abschiebung der Roma Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p><strong>13. Emanzipation: der Kampf der Roma f\u00fcr gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung<\/strong><\/p>\n<p>In den L\u00e4ndern S\u00fcdosteuropas entstand schon lange vor den j\u00fcngsten Verfolgungen eine erste Roma &#8222;Elite&#8220;, es wurden nationale und kulturelle Vereinigungen geschaffen. Seit den 70er Jahren gr\u00fcndeten sich auch in Westeuropa Roma Vereine und internationale Roma Organisationen.<br \/>\nDer 1. Roma Weltkongress fand im Jahre 1971 in London statt. Die Roma\u00a0 F\u00fchrer kamen zu der Schlussfolgerung, dass die Roma weltweit ihre Emanzipation selbst organisieren m\u00fcssen im Kampf um ihr nationales Selbstbewusstsein. Der Name \u201eZigeuner\u201c wurde durch \u201eRoma\u201c als offizielle Bezeichnung ersetzt. Zur offiziellen Hymne wurde das Lied &#8220; Djelem, Djelem&#8220; erkl\u00e4rt, die Roma Flagge wurde zweifarbig, gr\u00fcn und blau mit einem roten Rad in der Mitte.<br \/>\nMehrere Roma und Sinti Organisationen sind zur Zeit europaweit aktiv: Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, die Roma und Cinti Union aus Hamburg (RCU), das Europeen Roma and Traveller Forum (ERTF), die \u201eEuropean Roma Information Center\u201c (ERIO) ,Die Soros Fondation unterst\u00fctzt die Arbeit des \u201eEuropeen Roma Right Center\u201c (ERRC) und des \u201eOpen Society Instituts\u201c, beide in Budapest ans\u00e4ssig. Auch in der Medienwelt werden immer mehr Programme, Redaktionen, TV Stationen und Internetseiten von Roma-Journalisten betrieben, z.T. auch in Romanes.<\/p>\n<p>Zu den Themen\u00a0 1-25 und zu den Kursen 1-5 folgen\u00a0 detaillierte Inhaltsangaben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Roma-Schriftsteller Jovan Nikolic hat f\u00fcr den Rom e.V. 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