{"id":3269,"date":"2019-06-06T09:20:34","date_gmt":"2019-06-06T08:20:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=3269"},"modified":"2020-10-14T17:44:26","modified_gmt":"2020-10-14T16:44:26","slug":"leitbild-rom-e-v","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=3269","title":{"rendered":"Leitbild Rom e.V."},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkung: <\/strong>Diese Fassung des Leitbildes wurde nach breiter Diskussion in Vorstand, Verein und in der Belegschaft am 02.12.2018 beschlossen. Obwohl prozesshaft, soll das Leitbild eine Orientierung f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leitbild Rom e.V. <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Roma, Romnja, Sinti und Sintize<\/strong><sup>1 <\/sup><strong>in Europa und Deutschland <\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich sind Roma <em>das <\/em>europ\u00e4ische \u201eVolk\u201c, weil sie in allen europ\u00e4ischen Staaten anzutreffen sind; sie sind wesentliches Element der Zusammengeh\u00f6rigkeit Europas, mit besonders hohen Bev\u00f6lkerungsanteilen sind sie in einigen L\u00e4ndern des \u00f6stlichen Europa beheimatet. Sie erinnern und mahnen die europ\u00e4ischen Institutionen, Verantwortung f\u00fcr die soziale und politische Chancengleichheit der Roma zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Die Roma-Kultur ist vielf\u00e4ltig und bei weitem mehr als nur exotische Folklore. Schriftsteller, Wissenschaftler, Schauspieler und Regisseure schaffen europaweit bedeutsames Kulturgut.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden Roma in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern seit vielen Jahrhunderten diskriminiert und unterdr\u00fcckt. Mit der Verfolgung und Ermordung von Hunderttausenden Roma und Sinti durch den nationalsozialistischen Terror und seine Kollaborateure in den besetzten L\u00e4ndern erreichte diese Entwicklung ihren H\u00f6hepunkt. Der Rom e.V. f\u00fchlt sich der steten Erinnerung an diesen V\u00f6lkermord\/Porajmos und der Durchsetzung von Entsch\u00e4digung verpflichtet.<\/p>\n<p>Seit dem Ende des NS-Regimes ist selbst angesichts der Massenverbrechen an Roma und Sinti der ihnen zu Grunde liegende Antiziganismus eine einflussreiche Kraft geblieben. Einige papierene Resolutionen der EU zu nationalen Integrationspl\u00e4nen f\u00fcr Roma wurden in den meisten Staaten &#8211; wie auch in Deutschland &#8211; nicht umgesetzt. Gerade in den letzten Jahrzehnten erstarken \u00fcberall in Europa nationalistische Kr\u00e4fte, die Roma schikanieren und rassistisch verfolgen \u2013 so in vielen Balkan-Staaten, aber auch in Frankreich oder j\u00fcngst in Italien, der Ukraine und Ungarn.<\/p>\n<p>Dort, aber auch in Deutschland, versch\u00e4rft sich zusammen mit der schrittweisen Zerschlagung des Asylrechts (seit 1993) der Druck auf Roma-Gefl\u00fcchtete und -Migranten, vor allem aus den Balkanl\u00e4ndern. \u00dcber den Hebel der angeblich \u201esicheren Herkunftsl\u00e4nder\u201c wurden und werden Roma zu Tausenden zur \u201efreiwilligen Ausreise\u201c gezwungen oder sie werden direkt abgeschoben.<\/p>\n<p><strong>Arbeit des Vereins <\/strong><\/p>\n<p>Der Verein wurde 1988 gegr\u00fcndet. Nach wie vor tr\u00e4gt er in seinem Namen die Formulierung \u201eVereinigung f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung von Rom (Roma und Sinti) und Nicht-Rom e.V.\u201c Seit 30 Jahren ist aber auch klar, dass es um weit mehr als gegenseitiges kulturelles und menschliches Verst\u00e4ndnis geht. Von Anfang an hat der Verein auch politisch gek\u00e4mpft: f\u00fcr gleiche Chancen f\u00fcr Roma und Sinti und f\u00fcr das Recht auf gleichberechtigte politische Teilhabe. Die politischen Forderungen konzentrieren sich nach wie vor auf die Forderung \u201eBleiberecht f\u00fcr alle Roma\u201c.<\/p>\n<p>Ab 2003 war im Verein zudem klar, dass der politische Kampf sowie die Sozial- und Gefl\u00fcchteten-Beratung dringend durch p\u00e4dagogische Projekte erg\u00e4nzt werden m\u00fcssen. Dem h\u00e4ufigen Aussortieren von Roma-Kindern aus Kitas und Schulen setzen wir individuelle F\u00f6rderung mit dem Ziel einer erfolgreichen Integration ins Regelschulsystem entgegen.<\/p>\n<p>Unsere p\u00e4dagogischen Projekte arbeiten mit Roma- und Sinti-Kindern sowie anderen Zugewanderten und gefl\u00fcchteten Kindern und ihren Familien. Ziel ist, die Kinder und ihre Familien so zu f\u00f6rdern, dass sie ihre Kompetenzen, ihre Selbstwirksamkeit und ihre Selbstbestimmung entwickeln k\u00f6nnen. Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft m\u00fcssen von dieser zugesichert werden<sup>2<\/sup>. Die p\u00e4dagogische Arbeit erfolgt auf der Basis einer emanzipatorischen Haltung und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz sowie die F\u00f6rderung der Resilienz, den Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie die F\u00f6rderung ihrer Entwicklung.<\/p>\n<p><strong>Weitere Perspektiven des Vereins <\/strong><\/p>\n<p>*Heute hat der Verein seine fr\u00fchere Sozialberatung zu einer Gefl\u00fcchteten-, Sozial- und Integrationsberatung ausgebaut. Dies auch vor dem Hintergrund, dass durch die K\u00f6lner Bleiberechtskampagne seit 2018 die Chance besteht, zahlreiche Duldungen in gesicherte Bleiberechte umzuwandeln. Auch die Antidiskriminierungsarbeit soll weiter deutlich ausgeweitet werden. Eine enge Verzahnung mit den p\u00e4dagogischen Projekten ist zwingend notwendig.<\/p>\n<p>*Aus dem Archiv und Dokumentationszentrum soll sich RomBuk zum Kultur- und Bildungshaus weiterentwickeln. Die Arbeit gegen Antiziganismus soll von hier aus intensiviert werden.<\/p>\n<p>*Der Verein und seine Angebote sollen sich interkulturell \u00f6ffnen. Schon heute sind Mitarbeiter und Vereinsmitgliedschaft bunt. Deshalb streben wir auch an, unter Beibehaltung des Vereins- Schwerpunktes unsere Angebote auch f\u00fcr andere Migranten zu \u00f6ffnen<em>.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>*Im Verein, im Vorstand, bei Ehrenamtlichen und Mitarbeitern streben wir ein parit\u00e4tisches Verh\u00e4ltnis von Roma und Nicht-Roma an.<\/p>\n<p>*Gleichzeitig unterst\u00fctzen wir alle Anstrengungen von Roma und Sinti, sich auch au\u00dferhalb des Vereins selbstbestimmt zu organisieren.<\/p>\n<p>*Der Verein sieht sich als Teil der B\u00fcrger- und Menschenrechtsbewegung. Er sieht sich dabei als Teil der aktiven Zivilgesellschaft. In diesem Zusammenhang bezieht er sich insbesondere auf die Grundrechte, die aus der dunklen Zeit des deutschen Faschismus ihre Lehren ziehen: \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar\u201c und \u201eNiemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religi\u00f6sen und politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.\u201c<\/p>\n<p>Der Verein setzt alles daran, die offensichtliche L\u00fccke zwischen positiver Verfassungsnorm und negativer gesellschaftlicher Realit\u00e4t zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><sup>1 <\/sup>Um den Gender-Gesichtspunkt zu ber\u00fccksichtigen, haben wir in der \u00dcberschrift diese Formulierung gew\u00e4hlt. Im Folgetext sind wir dem im Interesse der Lesefreundlichkeit nicht konsequent gefolgt.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Dieser Satz ist ge\u00e4ndert aufgrund Vorstandsbeschluss vom 31.07.2020<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00f6ln, 31.07.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Diese Fassung des Leitbildes wurde nach breiter Diskussion in Vorstand, Verein und in der Belegschaft am 02.12.2018 beschlossen. 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