{"id":3882,"date":"2021-02-05T00:52:45","date_gmt":"2021-02-04T23:52:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=3882"},"modified":"2024-02-03T22:44:02","modified_gmt":"2024-02-03T21:44:02","slug":"sammlungsleitbild-rom-e-v-rombuk-bildung-und-kultur-im-rom-e-v-archiv-und-dokumentationszentrum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=3882","title":{"rendered":"Sammlungsleitbild Rom e.V. &#8211; RomBuK &#8211; Bildung und Kultur im Rom e.V. \/ Archiv und Dokumentationszentrum"},"content":{"rendered":"<p>Die Sammlung des Rom e.V., verankert in der Organisationseinheit RomBuK \u2013 Bildung und Kultur im Rom e.V. \/ Archiv und Dokumentationszentrum (im Folgenden \u201eArchiv\u201c) \u2013 ist das Archiv einer sozialen Bewegung, die sich seit den 1980er Jahren in K\u00f6ln f\u00fcr eine gleichberechtigte Teilhabe von Rom:nja und Sinti:ze in K\u00f6ln, Deutschland und Europa einsetzt. Das Archiv und Dokumentationszentrum richtet sich nach dem Archivgesetz des Landes NRW.<\/p>\n<p>Die Aufgabe des Archiv und Dokumentationszentrums ist es, den historischen und gegenw\u00e4rtigen Antiziganismus in allen seinen Erscheinungsformen zu dokumentieren, zu erforschen und \u00fcber ihn aufzukl\u00e4ren. Dieser strukturelle Rassismus geht von der Dominanzgesellschaft aus und negiert nicht nur die Heterogenit\u00e4t der Rom:nja und Sinti:ze, sondern erh\u00e4lt die ungleichen Machtverh\u00e4ltnisse durch die unreflektierte Reproduktion von Stereotypen und abwertenden Zuschreibungen aufrecht. Diese rassistischen Kontinuit\u00e4ten aufzudecken, zu dokumentieren und die Mehrheitsgesellschaft f\u00fcr sie zu sensibilisieren ist das Anliegen von RomBuK.<\/p>\n<p>Das Archiv ist zudem ein Ort der Selbstrepr\u00e4sentation: Es sammelt vielf\u00e4ltige Stimmen von Angeh\u00f6rigen der Minderheit, um dem vorherrschenden, rassistischen Zerrbild der Dominanzgesellschaft eigene Lebensentw\u00fcrfe entgegenzusetzen. Selbstzeugnisse sollen zudem aufzeigen, welche Auswirkungen rassistische Praktiken f\u00fcr die Lebenswirklichkeit der von Antiziganismus Betroffenen haben. Das Archiv ist damit auch ein Ort der Selbstvergewisserung und der Manifestation des Empowerments von Menschen aus der Minderheit.<\/p>\n<p>Die Sammlung ist seit der antirassistischen B\u00fcrger:innenrechtsbewegung in den 1980er-Jahren st\u00e4ndig in Kooperation zwischen Menschen der Minderheit und engagierten Menschen der Zivilgesellschaft entstanden. Sie dient als Bindeglied, um Selbst- und Fremdzuschreibung zu identifizieren und um Kommunikation und Verst\u00e4ndnisbildung zwischen Sinti:ze und Rom:nja und der Mehrheitsgesellschaft zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Sie bildet dar\u00fcber hinaus das Ged\u00e4chtnis des Rom e.V., der aus der B\u00fcrger:innenrechtsbewegung f\u00fcr das Bleiberecht von Rom:nja und Sinti:ze entstanden ist.<\/p>\n<p>Die Sammlung des Archiv und Dokumentationszentrums besteht aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Mehr als 250 Ordnern mit Material zur Geschichte der lokalen und regionalen Rom:nja-Bewegungen, Vorg\u00e4ngen aus der Verwaltungst\u00e4tigkeit des Rom e.V. sowie seiner Gr\u00fcndungsgeschichte und Vorg\u00e4ngerinstitutionen und Vereinigungen<\/li>\n<li>Materialsammlungen [z.B. in Form v. grauer Literatur, Presseausschnitten, etc.]<\/li>\n<li>Mehr als 250 Plakate<\/li>\n<li>Rund 3.200 historische Postkarten<\/li>\n<li>Etwa 1.790 Lithographien aus Zeitschriften des 19. und 20. Jahrhunderts<\/li>\n<li>Etwa 9.000 Farb- und Schwarz-Wei\u00df-Fotographien \u00fcberwiegend dokumentarischen Charakters, entstanden in der Zeit von ca. 1920 bis 2000<\/li>\n<li>(Teil-)Nachl\u00e4sse, Vorl\u00e4sse und Deposita von Autor:innen und Forscher:innen, darunter Korrespondenzen<\/li>\n<li>Sammlungen von Interviews<\/li>\n<li>Eine umfangreiche Sammlung von audio-visuellen Medien mit rund 600 gelisteten Filmtiteln und \u00fcber 1.000 Audiotr\u00e4gern<\/li>\n<li>Reproduktionen und Auflistungen von Fundstellen aus Archiven zur Geschichte der Minderheit<\/li>\n<li>Realien und Objekte, die Bezug zur Minderheit und\/oder zur antirassistischen B\u00fcrger:innenrechtsbewegung f\u00fcr das Bleiberecht von Rom:nja und Sinti:ze in K\u00f6ln und Umgebung haben<\/li>\n<li>Eine umfangreiche Sammlung von audio-visuellen Medien, darunter Spielfilme, Reportagen und Musikst\u00fccke.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Sammlungserweiterung<\/strong><\/p>\n<p>Die Sammlung befindet sich derzeit in einem Modernisierungsprozess, der eine Revision der vorhandenen Best\u00e4nde einschlie\u00dft und diese kontinuierlich rassismuskritisch erweitert.<\/p>\n<p>Zudem wird ein weiterer Sammlungsschwerpunkt zu dem bei der Deportation durch den nationalsozialistischen Staat geraubten Kulturguts deutscher\/K\u00f6lner Sinti:ze und Rom:nja und dessen Verbleib gebildet.<\/p>\n<p>Die Minderheiten der Rom:nja und Sinti:ze sind seit Jahrhunderten rassistischen und strukturellen Diskriminierungen ausgesetzt. Die rassistische Verfolgung basiert durchweg auf der Imagination von Ethnizit\u00e4t<a href=\"#fuss1\">[1]<\/a>und\/oder Konzeptionen von \u201eRasse\u201c. Der Rom e.V. hat zum Ziel, diese Konzepte durch seine Sammelt\u00e4tigkeit zu kritisieren und zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>So zeigen mannigfaltige Beispiele des Missbrauchs von personenbezogenen Daten von Rom:nja und Sinti:ze der Vergangenheit und Gegenwart, welche verheerende bis hinzu m\u00f6rderischen Auswirkungen der unethische und gesetzeswidrige Umgang mit ihren Daten hat. Um mit diesen Traditionen zu brechen, hat es sich der Rom e.V. zur Aufgabe gemacht, nur zu sammeln, was von Personen der Minderheiten zu diesem Zweck freigegeben ist, damit jede:r Depositar:in selbst entscheiden kann, welches Narrativ von ihm\/ihr gesammelt wird und was, wann, wie zur Nutzung unter welchen Umst\u00e4nden freigegeben werden kann oder niemals freigegeben wird. Um die Transparenz zu wahren, ist es jedem Menschen m\u00f6glich, zuvor erteiltes Einverst\u00e4ndnis zur\u00fcckzunehmen und so die Kontrolle \u00fcber die eigene Geschichte zu bewahren.<\/p>\n<p><strong>Fachbibliothek<\/strong><\/p>\n<p>Zu dem Archiv und Dokumentationszentrum geh\u00f6rt eine wissenschaftliche Fachbibliothek (Pr\u00e4senzbibliothek) mit mehr als 7.000 B\u00e4nden, die vor allem aus den Fachbereichen Geschichts-, Sozial-, Literatur- und Sprachwissenschaften stammen. Sie haben eine Ausrichtung auf rassismuskritische Fragestellungen und Themenkomplexe, welche die wechselhafte Geschichte sowie die (aktuellen) Lebensrealit\u00e4ten von Menschen der Minderheit in Deutschland und Europa betreffen. Zudem verf\u00fcgt die Bibliothek \u00fcber eine in Europa einzigartige Sammlung von belletristischen und (auto-)biografischen Werke von Rom:nja und Sinti:ze, die teilweise in Romanes sowie in vielen weiteren Sprachen vorliegen. Angestrebt wird zudem eine Sammlungserweiterung im Hinblick auf Situation von Rom:nja und Sinti:ze\u00a0 in den L\u00e4ndern aus denen besonders viele von ihnen fl\u00fcchten; vor allem jene die im deutschen politischen Diskurs als \u201esichere\u201c Herkunftsl\u00e4nder bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Sammlung und Bibliothek des RomBuK \u2013 Archiv und Dokumentationszentrums sind grunds\u00e4tzlich allen interessierten Personen(-gruppen) zug\u00e4nglich und f\u00fcr Forschungen unter Einhaltung verbindlicher Richtlinien, festgehalten in der Benutzungs- und in der Geb\u00fchrenordnung, nutzbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stand: Dezember 2023<\/p>\n<p><a id=\"fuss1\"><\/a>[1] Der Begriff Ethnizit\u00e4t stammt aus den Sozial- und Kulturwissenschaften. Der Begriff zeigt die Fremdzuschreibung gegen\u00fcber einem nicht genauer definierten Anderen auf. In den 1990er-Jahren wurden der Begriff und seine Abwandlungen (z.B. ethnische Herkunft, ethnischer Konflikt) h\u00e4ufig in den popul\u00e4ren Medien, z.B. der Nachrichtenerstattung durch Zeitungen verwendet. Seit den 1980er-Jahren wird das Konzept der Ethnizit\u00e4t im wissenschaftlichen Diskurs kritisiert, weil es eine definierbare Gemeinsamkeit annimmt: Ethnizit\u00e4t setzt die Vorstellung einer gemeinsamen, abschlie\u00dfend ausgehandelten, kollektiven Identit\u00e4t voraus. Erst das Konzept der Ethnizit\u00e4t erm\u00f6glicht die abgrenzende Definition eines Anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sammlung des Rom e.V., verankert in der Organisationseinheit RomBuK \u2013 Bildung und Kultur im Rom e.V. \/ Archiv und Dokumentationszentrum (im Folgenden \u201eArchiv\u201c) \u2013 ist das Archiv einer sozialen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1965,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-sidebar.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3882","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1965"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3882"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5506,"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3882\/revisions\/5506"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.romev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}