{"id":6239,"date":"2026-04-16T00:44:22","date_gmt":"2026-04-15T23:44:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=6239"},"modified":"2026-04-16T00:44:51","modified_gmt":"2026-04-15T23:44:51","slug":"6239-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.romev.de\/?page_id=6239","title":{"rendered":"Welt-Roma-Tag-2026_rede"},"content":{"rendered":"<h1>Welt-Roma-Tag, 08.04.2026<br \/>\nRede am K\u00f6lner Rathaus, Ru\u017edija Sejdovi\u0107, 1. Sprecher des Rom e.V.<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rromalen, baxtalo tumaro dive, baxtalo tumaro flago!<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Oberb\u00fcrgermeister <strong>Torsten Burmester<\/strong>,<br \/>\nsehr geehrter Herr <strong>Bernd Petelkau<\/strong> von der CDU Fraktion,<\/p>\n<p>sehr geehrte Frau <strong>Gabriele Pulverm\u00fcller<\/strong> von der Gr\u00fcnen Fraktion,<\/p>\n<p>sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der K\u00f6lner Ratspolitik und der Bezirksvertretung Innenstadt, die spontan hier erschienen sind, und die ich nicht alle namentlich begr\u00fc\u00dfen kann,<\/p>\n<p>lieber <strong>Sami Dzemailovski<\/strong>, ich freue mich, dich als Freund und Vertreter von Carmen e.V. D\u00fcsseldorf hier willkommen zu hei\u00dfen,<\/p>\n<p>lieber Herr <strong>Jeremias Oehl<\/strong>, Vertreter des Zentrums Phoenix e.V. und Sprecher der 45 K\u00f6lner Interkulturellen Zentren,<\/p>\n<p>liebe Vertreter der Verwaltung der Stadt K\u00f6ln,<br \/>\nliebe Freundinnen und Freunde,<br \/>\nliebe Roma und Romnja,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ich begr\u00fc\u00dfe Sie und euch alle ganz herzlich \u2013 und danke von Herzen, dass ihr da seid.<\/p>\n<p>Heute stehen wir hier vor dem K\u00f6lner Rathaus.<br \/>\nHeute ist der 8. April \u2013 Welt-Roma-Tag.<\/p>\n<p>Ein Tag des Erinnerns.<br \/>\nEin Tag des Stolzes.<br \/>\nUnd ein Tag des politischen Anspruchs.<\/p>\n<p>1971 in London wurden unsere Flagge, unsere Hymne und der Name \u201eRom\u201c als gemeinsamer Begriff unseres Volkes festgelegt.<br \/>\nSeitdem sagen wir klar: Wir sind ein europ\u00e4isches Volk. Wir geh\u00f6ren zu dieser Gesellschaft. Und wir sind hier.<\/p>\n<p>Unsere Flagge ist f\u00fcr uns mehr als ein Symbol. Sie steht f\u00fcr \u00dcberleben, f\u00fcr Widerstand, f\u00fcr W\u00fcrde. Und dieser Moment heute ist ein Moment, in dem wir innehalten und die Kraft unserer Geschichte und unserer Gegenwart sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Ein besonderer Gru\u00df gilt Ihnen, Herr Oberb\u00fcrgermeister Burmester. Ihre Anwesenheit ist ein starkes Zeichen der Wertsch\u00e4tzung \u2013 vielen Dank daf\u00fcr. Es ist zugleich eine wichtige politische Geste, dass die Tradition des Roma-Flaggenhissens hier in K\u00f6ln bereits zum f\u00fcnften Mal stattfindet. K\u00f6ln ist damit ein Vorreiter in Deutschland.<\/p>\n<p>Unser gro\u00dfer Dank gilt auch dem Kommunalen Integrationszentrum K\u00f6ln, das uns seit Jahren unterst\u00fctzt \u2013 ebenso allen Integrationszentren. Wir freuen uns sehr, dass Herr Jeremias Oehl heute hier f\u00fcr die Zentren spricht. \u2013 vielen Dank f\u00fcr Ihre Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiterer besonderer Dank gilt den vielen Roma-Aktivistinnen und Aktivisten in K\u00f6ln \u2013 Menschen, die oft im Stillen wirken: mit Mut, mit Hingabe und mit Liebe zu ihren Familien und zu unserer Community.<br \/>\nSie k\u00e4mpfen jeden Tag \u2013 gegen Ausgrenzung, gegen das Vergessen, gegen Vorurteile. Und sie k\u00e4mpfen f\u00fcr W\u00fcrde, f\u00fcr Teilhabe und f\u00fcr Zukunft.<\/p>\n<p>Was hier geleistet wird \u2013 oft mit begrenzten Mitteln, unter schwierigen Bedingungen und mit gro\u00dfer Geduld \u2013 ist beeindruckend. Und auch das h\u00e4ufig unter den Bedingungen jahrelanger inhumaner Duldungen.<\/p>\n<p>Unser Dank gilt auch den demokratischen K\u00f6lner Ratsfraktionen, die durch einzelnes Programm die Teilhabe von Roma und Sinti f\u00f6rdern und Aufkl\u00e4rung gegen Antiziganismus unterst\u00fctzen. Und erlauben sie mir hier, Herr Oberb\u00fcrgermeister Burmester, auch W\u00fcnsche und Forderungen an sie und an die Politik f\u00fcr 2027 zu formulieren:<\/p>\n<p>Erhalten Sie in den n\u00e4chsten beiden Jahren das f\u00fcr Roma und Sinti und f\u00fcr alle Menschen mit internationaler Familiengeschichte so wichtige \u201eNetz des Soziale K\u00f6ln\u201c<\/p>\n<p>Und f\u00fcgen sie in K\u00f6ln \u2013 wie die EU, wie Deutschland und wie viele Bundesl\u00e4nder die Einzelma\u00dfnahmen gegen Antiziganismus zu einem antiziganistischen Aktionsplan zusammen, der regelm\u00e4\u00dfig fortzuschreiben ist.<\/p>\n<p>Unsere Flagge ist kein dekoratives Symbol.<br \/>\nSie ist ein Zeichen des \u00dcberlebens.<br \/>\nEin Symbol gegen Ausl\u00f6schung, gegen Verfolgung, gegen das Vergessen.<\/p>\n<p>Dass sie heute hier vor dem Rathaus von K\u00f6ln gehisst wird \u2013 zum f\u00fcnften Mal \u2013 ist wichtig.<br \/>\nEs ist ein Zeichen der Anerkennung.<br \/>\nAber es ist auch eine Verpflichtung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir hier stehen, erleben viele Roma in Deutschland und Europa weiterhin Ausgrenzung, Diskriminierung und offenen Rassismus.<br \/>\nAntiziganismus ist keine Vergangenheit \u2013 er ist Gegenwart. Das best\u00e4tigen die j\u00fcngsten Berichte der Bundesmeldestelle \u00fcber antiziganistische Vorf\u00e4lle MIA.<\/p>\n<p>Und wir sehen mit gro\u00dfer Sorge, dass rechte Kr\u00e4fte wieder st\u00e4rker werden.<br \/>\nDass Menschen ausgegrenzt werden.<br \/>\nDass alte Feindbilder zur\u00fcckkommen. Pl\u00f6tzlich formulieren selbst einzelne Vertreter von Parteien der demokratischen Mitte wieder Slogans wie: \u201eMigration ist die Mutter aller Probleme\u201c, ein Spruch aus der Amtszeit von CSU Innenminister Seehofer.<\/p>\n<p>Dagegen sagen wir heute ganz deutlich:<\/p>\n<p>Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus d\u00fcrfen keinen Platz haben \u2013<br \/>\nnicht in unserer Gesellschaft und ganz sicher nicht in der Politik.<\/p>\n<p>Das ist keine Bitte.<br \/>\nDas ist ein Anspruch.<\/p>\n<p>Wir erwarten von der Politik klare Haltung.<br \/>\nWir erwarten Schutz.<br \/>\nWir erwarten echte Teilhabe.<\/p>\n<p>Denn die Realit\u00e4t vieler Roma ist noch immer gepr\u00e4gt von Unsicherheit \u2013<br \/>\nauf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, im Alltag.<\/p>\n<p>Und trotzdem \u2013 oder gerade deshalb \u2013 stehen wir heute hier.<\/p>\n<p>Aber, wir sehen eine neue Generation von Roma:<br \/>\njung, sichtbar, laut, gebildet, engagiert.<\/p>\n<p>Menschen, die studieren, die Kultur schaffen, die ihre Stimme erheben.<br \/>\nMenschen, die nicht mehr bereit sind, sich zu verstecken. Junge Menschen, die sich politisch engagieren und einmischen!<\/p>\n<p>Das ist unsere Zukunft.<\/p>\n<p>Und zum Schluss stelle ich eine Frage:<\/p>\n<p><em>Was ist Heimat f\u00fcr ein Volk, das so lange keine hatte?<\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht ist Heimat dort, wo wir respektiert werden.<br \/>\nWo wir ohne Angst leben k\u00f6nnen.<br \/>\nWo unsere W\u00fcrde unantastbar ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Und ich sage heute ganz klar:<\/em><\/p>\n<p><em>Wir Roma geh\u00f6ren zu K\u00f6ln.<br \/>\nWir geh\u00f6ren zu Deutschland.<br \/>\nWir geh\u00f6ren zu Europa.<\/em><\/p>\n<p><em>Und wir werden bleiben.<\/em><\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfe jetzt erneut unseren Oberb\u00fcrgermeister Herr Burmester und \u00fcbergebe ihm das Mikrofon.<\/p>\n<p>Opr\u00e9 Rromalen!\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vielen Dank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welt-Roma-Tag, 08.04.2026 Rede am K\u00f6lner Rathaus, Ru\u017edija Sejdovi\u0107, 1. 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