{"id":2061,"date":"2015-03-05T00:22:07","date_gmt":"2015-03-04T23:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.romev.de\/?p=2061"},"modified":"2015-03-05T00:24:51","modified_gmt":"2015-03-04T23:24:51","slug":"wir-brauchen-mehr-menschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.romev.de\/?p=2061","title":{"rendered":"Wir brauchen mehr Menschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland leben Menschen, die st\u00e4ndig ein Gef\u00fchl von Unsicherheit und Angst begleitet. Das Gef\u00fchl von &#8222;Zuhause&#8220; wird ihnen verwehrt und das oft schon seit Generationen. Als Rom e.V. sind wir seit fast 30 Jahren Ansprechpartner und Anlaufstelle f\u00fcr Roma und Sinti. Viele von ihnen suchen als Fl\u00fcchtlinge Schutz, andere sind inzwischen voll in Deutschland integriert. Doch sie alle haben die Erfahrung gemacht, dass ihre kulturelle und ethnische Herkunft ein Stigma bedeutet. Sie alle wissen, was es hei\u00dft, tagt\u00e4glich gegen unz\u00e4hlige Vorurteile zu k\u00e4mpfen und diskriminiert zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>&#8222;Wir sind hier nicht mehr sicher!&#8220;<\/strong><br \/>\n<strong> &#8222;Wir m\u00fcssen alle Angst um unsere Kinder haben!&#8220;*<\/strong><\/p>\n<p>Eine wachsende Zahl von Roma und Sinti f\u00fchlt sich in Deutschland unerw\u00fcnscht und bedroht. Es macht uns traurig, mit welchen \u00c4ngsten sich diese Menschen an uns wenden oder in sozialen Netzwerken \u00e4u\u00dfern. In der Gesellschaft und in klassischen Medien werden sie leider kaum wahrgenommen. Schlimmer noch, negative und einseitige Berichterstattung verschlimmert die Lage von Roma und Sinti sogar. Und l\u00e4ngst sind es ganz unterschiedliche Gruppen, die Roma und Sinti ihre Daseinsberechtigung in diesem Lande absprechen.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Sorge und Abscheu, beobachten wir gesellschaftliche Entwicklungen der j\u00fcngsten Zeit. Zu Tausenden ziehen Deutsche auf die Stra\u00dfe. Vermeintlich besorgte B\u00fcrger machen ihrem Frust Luft. In das Fadenkreuz ihrer Gesellschaftskritik geraten die Schw\u00e4chsten: Fl\u00fcchtlinge, Asylanten und andere Menschen, die eigentlich auf unsere Hilfe angewiesen sind. Ihnen schl\u00e4gt geballter Hass entgegen. Das Be\u00e4ngstigende daran: Wir haben es nicht mit einem rechten Ph\u00e4nomen zu tun. Stattdessen sind die Ideen von Pegida &amp; Co. l\u00e4ngst in der breiten \u00d6ffentlichkeit angekommen und salonf\u00e4hig geworden. Gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe gegen Minderheiten h\u00e4ufen sich. Menschen werden wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft verpr\u00fcgelt und sogar ermordet. Moscheen und Synagogen werden mit Hakenkreuzen beschmiert und Minderheiten durch soziale und wirtschaftliche Zw\u00e4nge in maroden Vierteln gettoisiert. Zust\u00e4nde, die uns an l\u00e4ngst vergangen Zeiten erinnern! Die deutsche Geschichte lehrt uns: Stigmatisierung, Schikane, Entrechtung, Verfolgung und Genozid sind eng miteinander verkn\u00fcpft. Hunderttausende Roma und Sinti sind einst Opfer des Holocaust geworden. Ein unvorstellbares Verbrechen, dass jedoch tief im kollektiven Ged\u00e4chtnis dieser Minderheiten verankert ist. Es pr\u00e4gt ihre Identit\u00e4ten und ihr Leben bis ins Hier und Jetzt.<\/p>\n<p>Diese Tatsache verbietet uns und dem Rest der Menschheit, den Mund zu halten! Rassismus und Radikalismus d\u00fcrfen in unserer deutschen Gesellschaft keinen Raum haben. Dort wo sie aufflammen, sind wir alle gefordert, uns dagegen zu stellen. Ein friedliches Miteinander, Wertsch\u00e4tzung und Solidarit\u00e4t sind die h\u00f6chsten G\u00fcter. F\u00fcr sie m\u00fcssen wir kontinuierlich eintreten und uns auf unserem Weg nicht beirren lassen. Als Rom e.V. bekennen wir uns eindeutig zu diesen sozialen Werten und dem Auftrag, uns f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung einzusetzen.<\/p>\n<p>Wir wollen, dass die Gesellschaft sich f\u00fcr Roma und Sinti \u00f6ffnet. Gleichzeit helfen wir Angeh\u00f6rigen dieser Minderheiten \u2013 dort, wo man sie l\u00e4sst \u2013 auf dem beschwerlichen Weg, ein anerkanntes Vollmitglied unserer Gesellschaft zu werden. Und diesen Wunsch haben wir auch f\u00fcr andere Minderheiten \u2013 unabh\u00e4ngig von Religion, ethnischer und kultureller Herkunft, sexueller Gesinnung oder \u00e4hnlichem. Aufkl\u00e4rung und Bildung sind unsere wichtigsten Instrumente, um Ignoranz auf allen Seiten abzubauen.<\/p>\n<p>Der Rom e.V. w\u00fcnscht sich von seinen Mitmenschen vielf\u00e4ltige Unterst\u00fctzung. Und wir suchen das Gespr\u00e4ch miteinander, um Unwissen und daraus resultierende Ressentiments abzubauen. Dies gilt f\u00fcr Roma und Sinti genauso wie f\u00fcr die deutsche Gesellschaft. Wir wollen keine parallelen Universen bev\u00f6lkern, deshalb m\u00fcssen wir im positiven Sinne transparenter f\u00fcreinander werden. Nur so ist es uns m\u00f6glich, eine Gesellschaft zu formen, in der wir alle leben k\u00f6nnen und wollen. Deutschland braucht mehr Menschlichkeit!<\/p>\n<p>Gianni Jovanovic<br \/>\nVorstandsmitglied Rom e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland leben Menschen, die st\u00e4ndig ein Gef\u00fchl von Unsicherheit und Angst begleitet. Das Gef\u00fchl von &#8222;Zuhause&#8220; wird ihnen verwehrt und das oft schon seit Generationen. 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