Pressemitteilung zum internationalen Welt-Rom-nja Tag

By 8. April 2020 Aktuelles, Presse

49 Jahre und nichts gelernt?

1971 Weltweiter Kongress von Vertreter_innen der Rom_nja – Communities in London/ Bekämpfung von Antiziganismus besonders in Zeiten des Corona-Virus eine internationale und gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Am 8. April 1971 fand der erste Welt-Rom_nja-Kongress in London statt. Prominente Persönlichkeiten wie Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Slobodan Beberkis, Ján Cibula und Grattan Puxon nahmen daran teil und schrieben so Geschichte. Anlass für den Welt-Rom_nja-Kongress war der nach 1945 fortgesetzte Rassismus. Fast 49 Jahre später hat der Rassismus gegen Rom_nja und Sinti_ze noch immer nicht nachgelassen.

Die zentrale Forderung des Kongresses nach einer Verbesserung des rechtlichen Status und nach gleichberechtigter Teilhabe der Rom_nja – Communities hat nicht an Aktualität verloren.

2020 ist die Situation für viele Menschen, besonders in der Krise der Corona-Pandemie, verschärft. In Mazedonien, Bulgarien, Rumänien und in der Slowakei sind viele Viertel, in denen Rom_nja leben, präventiv unter Quarantäne gestellt. Verstärkte Polizeikontrollen gegenüber Rom_nja führen dazu, dass einige Familien kaum noch dringend notwendige Einkäufe, etwa in der Apotheke, tätigen oder überlebenswichtige Güter wie Wasser, Lebensmittel und Medikamente einkaufen können. Immer wieder wird Rom_nja auch eine überlebensnotwendige medizinische Behandlung verweigert. Somit droht den Rom_nja vor Ort eine humanitäre Katastrophe.

Auch der alltägliche Rassismus in Deutschland nimmt zu, erklärt die Aktivistin und RomBuK-Mitarbeiterin Öznarçiçeği. „Erst vor wenigen Wochen hat ein Terrorist in Hanau Schwestern und Brüder ermordet, die Polizei betreibt Racial Profiling, wie der Polizeibericht aus Berlin von 2017 zeigt und die Hasskommentare auf den Social Media Plattformen nehmen zu. […] das schlimmste ist, dass es so viele Menschen gibt, die in Macht- und Amtspositionen sitzen und nicht einmal merken, wie rassistisch ihre Denkmuster sind. Es wird Zeit, dass wir umdenken. Hanau zeigt uns, dass wir endlich umdenken und reflektieren müssen!“ Sie gibt weiterhin an, dass die Herausforderung am rassismuskritischen Denken darin bestehe, dass jede_r sich der eigenen Rassismen bewusst werden müsse. „Das Problem wird immer bei meinen Brüdern und Schwestern gesucht. Nur wenige aus der Dominanzgesellschaft fragen sich, ob sie das Problem erst erschaffen und aufrechterhalten.“ Die Herausforderungen der derzeitigen Krise betrachtet Öznarçiçeği kämpferisch: „Obwohl wegen der Krise vieles still steht und das öffentliche Leben eingeschränkt ist, können wir jetzt nicht aufhören, für Menschenrechte zu kämpfen. Gerade in Zeiten dieser Pandemie ist der politische Wille notwendig, um weitere Hassverbrechen zu verhindern und Solidarität zu fördern.“

Deshalb lädt RomBuK im Namen des Rom e.V. am 08.04.2020 um 19 Uhr zum Internationalen Tag der Rom_nja ein. Merfin Demir hält einen online Live-Vortrag über die historische Bedeutung des Internationalen Tages der Rom_nja. Anschließend steht der Referent für eine Diskussionsrunde zur Verfügung. Anmelden können Sie sich noch bis zum 08.04.2020; 18 Uhr unter rombuk@romev.de.

Kurzbeschreibung Vortrag

Internationaler Tag der Roma – Die Bürger_innenrechtsarbeit im 21. Jahrhundert

Thema des Live-Vortrages ist der erste Welt-Roma-Kongress vom 8. April 1971, seine Auswirkungen und seine Bedeutung für heute. Ein zentraler Fokus wird zudem auf der Bürger_innenrechtsarbeit im 21. Jahrhundert liegen. Eingeleitet wird der Vortrag mit einem historischen Überblick über die Nachkriegszeit. Der Vortrag endet mit einem Ausblick auf die Menschenrechtsarbeit im 21. Jahrhundert.

Merfin Demir ist Gründer und Landesgeschäftsführer von Terno Drom e. V. Sein Arbeitsschwerpunkt ist rassismuskritische Empowermentarbeit mit jungen Rom_nja und ihren Familien. Durch seine Tätigkeit beim Projekt KIRIV 2.0 – für Empowerment und Gendergerechtigkeit erreicht er darüber hinaus alevitische, êzîdische und kurdische Jugendliche. Für die Studie zu Rassismuserfahrungen von Rom_nja und Sinti_ze im Auftrag der Unabhängigen Kommission Antiziganismus ist er als freier Mitarbeiter der Alice Salomon Hochschule tätig.

Menschen aus ganz Deutschland haben sich an der von RomBuK im Namen des Rom e.V. initiierten Kampagne zum Internationalen Tag der Rom_nja beteiligt und politische und gesellschaftliche Misstände angeklagt und Forderungen gestellt. Die Kampagne kann auf Instagram unter rombuk_2019 oder auf Facebook unter RomBuK2019 eingesehen werden.

 

Rückfragen an: serce.oeznarcicegi@romev.de

Pressemitteilung als PDF herunterladen