Welt-Roma-Tag, 08.04.2026
Rede am Kölner Rathaus, Ruždija Sejdović, 1. Sprecher des Rom e.V.

 

Rromalen, baxtalo tumaro dive, baxtalo tumaro flago!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Torsten Burmester,
sehr geehrter Herr Bernd Petelkau von der CDU Fraktion,

sehr geehrte Frau Gabriele Pulvermüller von der Grünen Fraktion,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Kölner Ratspolitik und der Bezirksvertretung Innenstadt, die spontan hier erschienen sind, und die ich nicht alle namentlich begrüßen kann,

lieber Sami Dzemailovski, ich freue mich, dich als Freund und Vertreter von Carmen e.V. Düsseldorf hier willkommen zu heißen,

lieber Herr Jeremias Oehl, Vertreter des Zentrums Phoenix e.V. und Sprecher der 45 Kölner Interkulturellen Zentren,

liebe Vertreter der Verwaltung der Stadt Köln,
liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Roma und Romnja,

 

ich begrüße Sie und euch alle ganz herzlich – und danke von Herzen, dass ihr da seid.

Heute stehen wir hier vor dem Kölner Rathaus.
Heute ist der 8. April – Welt-Roma-Tag.

Ein Tag des Erinnerns.
Ein Tag des Stolzes.
Und ein Tag des politischen Anspruchs.

1971 in London wurden unsere Flagge, unsere Hymne und der Name „Rom“ als gemeinsamer Begriff unseres Volkes festgelegt.
Seitdem sagen wir klar: Wir sind ein europäisches Volk. Wir gehören zu dieser Gesellschaft. Und wir sind hier.

Unsere Flagge ist für uns mehr als ein Symbol. Sie steht für Überleben, für Widerstand, für Würde. Und dieser Moment heute ist ein Moment, in dem wir innehalten und die Kraft unserer Geschichte und unserer Gegenwart spüren.

Ein besonderer Gruß gilt Ihnen, Herr Oberbürgermeister Burmester. Ihre Anwesenheit ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung – vielen Dank dafür. Es ist zugleich eine wichtige politische Geste, dass die Tradition des Roma-Flaggenhissens hier in Köln bereits zum fünften Mal stattfindet. Köln ist damit ein Vorreiter in Deutschland.

Unser großer Dank gilt auch dem Kommunalen Integrationszentrum Köln, das uns seit Jahren unterstützt – ebenso allen Integrationszentren. Wir freuen uns sehr, dass Herr Jeremias Oehl heute hier für die Zentren spricht. – vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

Ein weiterer besonderer Dank gilt den vielen Roma-Aktivistinnen und Aktivisten in Köln – Menschen, die oft im Stillen wirken: mit Mut, mit Hingabe und mit Liebe zu ihren Familien und zu unserer Community.
Sie kämpfen jeden Tag – gegen Ausgrenzung, gegen das Vergessen, gegen Vorurteile. Und sie kämpfen für Würde, für Teilhabe und für Zukunft.

Was hier geleistet wird – oft mit begrenzten Mitteln, unter schwierigen Bedingungen und mit großer Geduld – ist beeindruckend. Und auch das häufig unter den Bedingungen jahrelanger inhumaner Duldungen.

Unser Dank gilt auch den demokratischen Kölner Ratsfraktionen, die durch einzelnes Programm die Teilhabe von Roma und Sinti fördern und Aufklärung gegen Antiziganismus unterstützen. Und erlauben sie mir hier, Herr Oberbürgermeister Burmester, auch Wünsche und Forderungen an sie und an die Politik für 2027 zu formulieren:

Erhalten Sie in den nächsten beiden Jahren das für Roma und Sinti und für alle Menschen mit internationaler Familiengeschichte so wichtige „Netz des Soziale Köln“

Und fügen sie in Köln – wie die EU, wie Deutschland und wie viele Bundesländer die Einzelmaßnahmen gegen Antiziganismus zu einem antiziganistischen Aktionsplan zusammen, der regelmäßig fortzuschreiben ist.

Unsere Flagge ist kein dekoratives Symbol.
Sie ist ein Zeichen des Überlebens.
Ein Symbol gegen Auslöschung, gegen Verfolgung, gegen das Vergessen.

Dass sie heute hier vor dem Rathaus von Köln gehisst wird – zum fünften Mal – ist wichtig.
Es ist ein Zeichen der Anerkennung.
Aber es ist auch eine Verpflichtung.

Während wir hier stehen, erleben viele Roma in Deutschland und Europa weiterhin Ausgrenzung, Diskriminierung und offenen Rassismus.
Antiziganismus ist keine Vergangenheit – er ist Gegenwart. Das bestätigen die jüngsten Berichte der Bundesmeldestelle über antiziganistische Vorfälle MIA.

Und wir sehen mit großer Sorge, dass rechte Kräfte wieder stärker werden.
Dass Menschen ausgegrenzt werden.
Dass alte Feindbilder zurückkommen. Plötzlich formulieren selbst einzelne Vertreter von Parteien der demokratischen Mitte wieder Slogans wie: „Migration ist die Mutter aller Probleme“, ein Spruch aus der Amtszeit von CSU Innenminister Seehofer.

Dagegen sagen wir heute ganz deutlich:

Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus dürfen keinen Platz haben –
nicht in unserer Gesellschaft und ganz sicher nicht in der Politik.

Das ist keine Bitte.
Das ist ein Anspruch.

Wir erwarten von der Politik klare Haltung.
Wir erwarten Schutz.
Wir erwarten echte Teilhabe.

Denn die Realität vieler Roma ist noch immer geprägt von Unsicherheit –
auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, im Alltag.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – stehen wir heute hier.

Aber, wir sehen eine neue Generation von Roma:
jung, sichtbar, laut, gebildet, engagiert.

Menschen, die studieren, die Kultur schaffen, die ihre Stimme erheben.
Menschen, die nicht mehr bereit sind, sich zu verstecken. Junge Menschen, die sich politisch engagieren und einmischen!

Das ist unsere Zukunft.

Und zum Schluss stelle ich eine Frage:

Was ist Heimat für ein Volk, das so lange keine hatte?

Vielleicht ist Heimat dort, wo wir respektiert werden.
Wo wir ohne Angst leben können.
Wo unsere Würde unantastbar ist.

Und ich sage heute ganz klar:

Wir Roma gehören zu Köln.
Wir gehören zu Deutschland.
Wir gehören zu Europa.

Und wir werden bleiben.

Ich begrüße jetzt erneut unseren Oberbürgermeister Herr Burmester und übergebe ihm das Mikrofon.

Opré Rromalen!     Vielen Dank.