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Presse

Presseerklärung zum 16.12.1942

By Aktuelles, Medien, Presse, Stellungnahmen

Gegen das Vergessen: Der „Auschwitz-Erlass“ von 1942 / Studie der Universität Leipzig bestätigt antiziganistische Ressentiments in der Gesellschaft

Heute vor 78 Jahren erließ der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“. Darin ordnete er die Deportationen der noch im Deutschen Reich verbliebenen Rom_nja und Sinti_ze in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau an. Der Erlass bildete die Grundlage für den Genozid an Rom_nja und Sinti_ze. Einem Großteil der Bevölkerung ist dies bis heute nicht bekannt.

 

Um die NS-Verbrechen an Rom_nja und Sinti_ze und die damit einhergehende Verantwortung zur Erinnerung und Mahnung in das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, entwickelten der Rom e.V. und der Künstler Gunter Demnig anlässlich des 50. Jahrestags des „Auschwitz-Erlasses“ eine Idee: Vor dem Historischen Rathaus der Stadt Köln verlegte Demnig 1992 einen Stein aus Messing, der der erste Prototyp der späteren Stolpersteine sein sollte. Statt der biografischen Informationen trägt der Stein die Zeilen des Schnellbriefes des Reichssicherheitshauptamtes vom Januar 1943, der auf den Inhalt des Auschwitz-Erlasses von Himmler Bezug nimmt. Der Erlass selbst ist nicht überliefert. 2010 wurde der Stolperstein vor dem Rathaus von Unbekannten entwendet. Drei Jahre später konnte ein neuer Stolperstein vor dem Historischen Rathaus eingesetzt werden.

Bis heute sind Angehörige der Minderheiten von Rassismus betroffen. Die vor kurzem erschienene Studie der Universität Leipzig über rechtsextreme Einstellungen in Deutschland bestätigt einmal mehr, dass sich antiziganistische Ressentiments im gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein hartnäckig halten. Auch Ruždija Russo Sejdović, Vorstandsmitglied des Rom e.V., sieht die Ergebnisse der Studie sowie die Radikalisierung der Gesellschaft in Zeiten der Corona-Pandemie als besorgniserregend an:

„Wie können wir unsere Gegenwart und Zukunft unter Einhaltung der Menschenrechte gestalten, wenn eine Beschäftigung mit der Vergangenheit nicht stattfindet und stattdessen Geschichtsrevisionismus betrieben wird? Die Geschichte lehrt uns, dass insbesondere in Krisenzeiten Minderheiten zu Sündenböcken stigmatisiert werden. Die aktuelle Situation muss uns ein Alarmsignal sein. Es ist höchste Zeit, sich gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus zu positionieren und für die Einhaltung der Menschenrechte einzutreten.“

Ansprechpartnerin: Lisa Willnecker, lisa.willnecker@romev.de; 0221-2786076

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Presseerklärung des Grundrechtekomittes: Das Bundesinnenministerium verschleppt Entscheidung zu gefordertem Bleiberecht

By Aktuelles, Presse

Vor mehr als einem Jahr, am 23. Oktober 2019, hat das Komitee für Grundrechte und Demokratie zusammen mit Medico International die gemeinsame Petition „Bleiberecht statt Ausgrenzung und Illegalität!“ dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages überreicht.
Die Petition wird bundesweit von mehr als einhundert politischen Organisationen sowie Prominenten aus Wissenschaft, Kultur und Politik sowie von mehreren tausend Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen.
Über die Petition ist auch ein Jahr später noch nicht entschieden.
Der Grund: Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) hat seit über sechs Monaten nicht die erbetene Stellungnahme abgegeben.
Ein ganzes Jahr, in dem weiterhin Tausende Menschen in Deutschland kein Aufenthaltsrecht haben, abgeschoben wurden oder davon bedroht sind.
Ein Jahr, in dem Menschen illegalisiert und damit rechtlos unter uns leben müssen, bedroht von Ausbeutung, Wohnungslosigkeit und immerwährender Unsicherheit.
„Die Verschleppung der Stellungnahme und damit des Entscheids unserer Petition ist ein weiterer Baustein in der Negierung der Menschenrechte in Deutschland durch Herrn Seehofer und das ihm unterstellte Innenministerium“, kommentiert Britta Rabe vom Grundrechtekomitee die Passivität des Bundesinnenministeriums.
Ramona Lenz von Medico International ergänzt: „Wir fordern Herrn Seehofer auf, jetzt Farbe zu bekennen und Stellung zu beziehen, für ein Bekenntnis zur Menschenwürde – und zwar für alle, die hier leben.“

Anmerkung: Der Rom e.V. gehörte zu den Erstunterzeichner_innen der Petition.

Jovan Nikolić. Gast von nirgendwoher – 40 Jahre Literatur.

By Presse

Seit 40 Jahren erschafft der Schriftsteller Jovan Nikolić, der heute in Köln lebt und wirkt, Poesie und Literatur. Anlässlich dieses Jubiläums lädt der Rom e.V. am 23. Oktober 2020 ab 18 Uhr gemeinsam zu einem literarischen Gespräch mit Jovan Nikolić ein.

 

Bis heute ist Jovan Nikolić einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer „Rom_nja-Literatur“, auch wenn diese Beschreibung nicht das Kaleidoskop seiner tiefgründigen literarischen Auseinandersetzungen abzubilden vermag. Er wird 1955 in Belgrad geboren, wächst in Čačak auf und macht eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur. 1981 erscheint sein erster Gedichtband „Gost niotkuda“ (Gast nirgendwoher). Bis 1998 folgen fünf weitere Gedichtsammlungen, mit denen er als herausragender Exponent der Rom_nja-Literatur auch international Bekanntheit erlangt. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller arbeitet Nikolić auch als Journalist. Er engagiert sich politisch gegen den nationalen Chauvinismus, verfasst Satiretexte und Theaterstücke. Ein von ihm verfasster Songtext wird unter der Regie von Emir Kusturica zum Leitmotiv des Films „Schwarze Katze, weißer Kater“. Seit dem Jahr 2000 ist er Mitglied des serbischen PEN-Zentrums. Im Zuge der Jugoslawien-Kriege emigriert er 1999 nach Deutschland. Dort wird er als Stipendiat von unterschiedlichen Stiftungen, u. a. von der Akademie der Künste (Berlin), gefördert und gewinnt zahlreiche nationale sowie europäische Literaturpreise: Sein Werk „Weißer Raabe, schwarzes Lamm“ wird im Jahr 2011 zum „Buch für die Stadt Köln“ gekürt. Seine Texte sind in zehn verschiedene europäische Sprachen übersetzt und in 20 internationalen Anthologien enthalten. Heute lebt und wirkt er in der Stadt Köln und ist eng mit dem Rom e.V. verbunden. Ein kürzlich abgeschlossenes Buch des Schriftstellers wird demnächst im Drava-Verlag erscheinen.

Nikolić selbst blickt gerne auf die letzten 40 Jahre zurück: Es sei ein großes Privileg für ihn, dass er bereits 40 Jahre lang Zeit hatte, Poesie und Prosa zu erschaffen, so der Schriftsteller. Ruždija Russo Sejdović, selbst Schriftsteller und Teil des Vorstandes im Rom e.V., gratuliert Jovan Nikolić herzlich zu seinem Jubiläum und bekennt: Ich bin ein großer Fan von Jovans Literatur und ich hoffe sehr, dass er uns die Welt noch viele weitere Jahre durch seine Augen sehen lässt.“

Um das Jubiläum des Schriftstellers gebührend zu würdigen, lädt der Rom e.V. am 23. Oktober ab 18 Uhr zu einem literarischen Gespräch mit Jovan Nikolić im Roten Salon des Rom e.V. ein. Persönliche Erinnerungen, Literatur und die vergangenen 40 Jahre als Künstler werden im Fokus des Gesprächs stehen. Zudem liest der Schriftsteller aus Texten, die auch erstmalig ins Deutsche übersetzt worden sind. Im Anschluss gibt es genügend Raum für Fragen.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Teilnehmendenzahl begrenzt. Wir bitten um Anmeldung unter: rombuk@romev.de. Ihre Presseansprechpartnerin im Rom e.V.: lisa.willnecker@romev.de; Tel: 0221/278 60 76.

Pressemitteilung: Gedenken an den 2./3. August 1944

By Aktuelles, Presse

Gedenken an den 2./3. August 1944

Gedenken an die ermordeten Sinti_ze und Rom_nja vom 2. auf den 3. August 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau/auch 2020 mangelndes Bewusstsein der Gesellschaft für Rassismus

 

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden die noch im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau inhaftierten Rom_nja und Sinti_ze, rund 4300 Menschen, in den Gaskammern ermordet. Nachdem diese bereits für Mai 1944 geplante Ermordung vorerst an der Gegenwehr von Rom_nja und Sinti_ze gescheitert war, wurden diejenigen aus der Minderheit, die noch als „arbeitsfähig“ galten, in  den  Monaten bis August 1944 in Konzentrationslager im Deutschen Reich deportiert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die übrigen wurden durch die SS in der Nacht zum 3. August 1944 ermordet.

Das Projekt RomBuK im Rom e.V. lädt in Gedenken an die Opfer, am 02. August 2020 um 18 Uhr zum Filmabend im Roten Salon des Rom e.V. ein. Vorgeführt wird die Dokumentation „Es ging Tag und Nacht, liebes Kind“ von Melanie Spitta, Tochter einer Sintiza, die den Völkermord überlebte. In dem Film begleitete Spitta Überlebende und deren Kinder nach Auschwitz. Als Filmemacherin und Bürgerrechtlerin setzte sich für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Völkermordverbrechen an Sinti_ze und Rom_nja ein, die jahrzehntelang von der Gesellschaft geleugnet worden waren. In ihren Filmen lässt sie Rom_nja und  Sinti_ze selbst zu Wort kommen, dokumentiert  die  nationalsozialistischen Verbrechen sowie die rassistischen Kontinuitäten nach 1945 und die damit verbundenen Erfahrungen der Überlebenden. So leistete Spitta einen außerordentlichen Beitrag im Kampf um eine Sichtbarmachung des Völkermordes und eine gleichberechtigte Teilhabe.

Obwohl der Film bereits 1981 erschienen ist, zeigt sich, 38 Jahre nach seiner Entstehung, dass die deutsche Gesellschaft nach wie vor ein ernstzunehmendes Rassismusproblem hat: NSU, die rassistischen Terrorakte in München, Halle, Hanau, rechtsextreme Drohmails, Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken in der Bundeswehr…Die Auflistung ließe sich beliebig erweitern. Die jüngsten Forderungen aus Stuttgart, Stammbäume der Menschen zu erstellen, die sich vermutlich an den dortigen Randalen beteiligt hatten, offenbart nur mehr als deutlich, wie langlebig rassistische Denkmuster sind, die, wie hier suggerieren es gebe einen Zusammenhang zwischen kriminellen Taten und der Herkunft/ Zugehörigkeit einer Gruppe. Diese rassistischen Praxen zeigen sich auch in der Geschichte der Verfolgung von Rom_nja und Sinti_ze. Gerade in diesen Zeiten ist eine Erinnerung an das Vergangene und eine Beschäftigung mit der Geschichte, die die Kontinuitäten des Rassismus und des rechten Terrors in der Gesellschaft sichtbar machen, unabdingbar!

Für den Rom e.V. wird Carmen Spitta, Tochter der inzwischen verstorbenen Filmemacherin und Aktivistin Melanie Spitta, am 2. August 2020 ein Grußwort übermitteln.

Die Platzzahl ist aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen begrenzt. Es wird um Anmeldung bis 31. Juli 2020 gebeten. Anmeldungen bitte per Mail an rombuk@romev.de.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Serçe Berna Öznarçiçeği, unter: serce.oeznarcicegi@romev.de

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