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Stellungnahmen

Tod eines tschechischen Rom nach Polizeiaktion –
Forderung nach Aufklärung

By Aktuelles, Stellungnahmen

Stanislav Tomáš, tschechischer Bürger und Rom, starb am 19. Juni in Treplice kurz nach einer Polizeiaktion, bei der ein Polizist sechs Minuten lang sein Knie auf dessen Genick gedrückt hat. Das private Video  hat sich europaweit verbreitet und massive Proteste ausgelöst (Hinweis: Das Video hat eine Altersbeschränkung, d.h. ist nur nach Anmeldung und Bestätigung des eigenen Alters auf youtube abrufbar).

 

Auch der Rom e.V. ist zutiefst besorgt über diesen Vorgang und die Brutalität des Vorgehens seitens der tschechischen Polizei und fordert – in Absprache mit Romeo Franz und ähnlich wie Romani Rose – dessen unabhängige und umfassende Aufklärung.

 

Romeo Franz, Abgeordneter der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament (Quelle: https://www.romeo-franz.eu):

Das Filmmaterial, das Stanislavs letzte Lebensmomente zeigt, ist zutiefst verstörend. Die Menge des konstanten Drucks, der auf Stanislavs Oberkörper, Hals und Nacken ausgeübt wird, erscheint überzogen und erweckt den Verdacht von unverhältnismäßiger und rassistisch motivierter Polizeigewalt. Deswegen bedarf es dringend einer unabhängigen und umfassenden Untersuchung des Hergangs!

Es ist inakzeptabel, dass hochrangige tschechische Regierungsbeamte und Politiker, an erster Stelle der Innenminister und der Premierminister, die Polizeibeamten ohne Verweis auf jedwelchen weiteren Aufklärungsbedarf freisprechen (Ergänzung Rom e.V). Es ist nicht die Rolle des Premierministers auf der Grundlage vorläufiger Obduktionsergebnisse abschließend zu bewerten, dass Stanislav nicht an den Folgen des polizeilichen Eingreifens gestorben sei, ohne die endgültigen Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens abzuwarten. Zudem beschreiben sie Stanislav in abfälliger Weise, um das Vorgehen und die Methoden der Polizei zu rechtfertigen. Damit schüren sie antiziganistische Ressentiments in der Gesellschaft!

(…)

Deshalb fordere ich die tschechische Regierung nachdrücklich dazu auf, eine unabhängige, wirksame und unvoreingenommene Untersuchung der Situation einzuleiten, damit der Tathergang und das Agieren der Polizeibeamten gründlich und ordnungsgemäß untersucht wird. Im Einklang mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist es von entscheidender Bedeutung, dass bei der Untersuchung des Polizeieinsatzes auch rassistische Motive berücksichtigt werden.

Von den EU Institutionen und der tschechischen Regierung erwarte ich klare Positionierungen gegen Antiziganismus und Polizeigewalt gegenüber ethnischen Minderheiten. Außerdem müssen Staatsbeamte und Medien umgehend aufhören, das Opfer, seine Familie und Angehörige ohne genaue Erkenntnisse zu stigmatisieren.

 

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Quelle: https://zentralrat.sintiundroma.de) :

Als „menschenverachtendes Vorgehen, das in seiner Abscheulichkeit und Brutalität nicht zu fassen ist“, bezeichnet Romani Rose, Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, den Einsatz der tschechischen Polizei, der zum Tode eines jungen Rom führte. Und zieht Parallelen zum Tod des US-Amerikaners Georg Floyd. Rose fordert die lückenlose Aufklärung und harte Bestrafung der beteiligten Polizisten. Außerdem will er Gespräche mit dem tschechischen Botschafter in Berlin und dem deutschen Außenminister Heiko Maaß führen.  Darüber hinaus wird der Zentralrat direkt beim tschechischen Innenminister Jan Hamacek intervenieren.

(…)

Der tschechische Innenminister Jan Hamáček stellte sich kurze Zeit später hinter die beteiligten Polizisten. Sie hätten seine „volle Unterstützung“ schrieb der Sozialdemokrat auf Twitter. Der Mann habe unter Drogeneinfluss Autos demoliert. Eine vorläufige Obduktion habe keinen Zusammenhang seines Todes mit dem Polizeieinsatz nachgewiesen, vielmehr habe man eine krankhafte Veränderung der Herzkranzgefäße festgestellt.

„Polizeiliches Handeln braucht Kontrolle und nicht vorschnelle Rechtfertigungen durch den Innenminister“, setzt Romani Rose dem entgegen. „Ich fordere von den tschechischen Behörden, insbesondere vom Innenminister, eine unabhängige Aufklärung des Vorfalls“. Und weiter: „Es darf nicht sein, dass ein Jahr nach dem Tod von George Floyd Minderheitenangehörige noch immer polizeilicher Willkür schutzlos ausgeliefert sind“.

In Tschechien leben etwa 250 000 bis 300 000 Roma. Sie leiden unter Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung.

Spendenaufruf von „Colours of Change“

By Aktuelles, Stellungnahmen

Gerne unterstützen wir den Spendenaufruf von „Colours of Change“, die am 04. Juli 2021 eine Kundgebung auf dem Kölner Rudolfplatz planen. Spenden sind möglich unter https://bit.ly/3iibNJU. Im Folgenden finden Sie weitere Informationen:

„Colours of Change“ ist ein Kollektiv aus queeren Bi_PoC Aktivist:innen und ihren Verbündeten. Auch in diesem Jahr veranstalten sie eine Kundgebung auf dem Kölner Rudolfplatz. Am 04. Juli 2021 machen sie gemeinsam auf intersektionale Diskriminierungsformen und rassistische Strukturen in queeren Räumen aufmerksam. Dies soll über verschiedene künstlerisch-politische Ebenen durch Performances, Spoken Word, Musik und Redebeiträge passieren. Das Motto „Feel loud, be proud“ macht klar: Emotionen sind auch politisch und sie verbinden queere Menschen mit Bühne.

Der Verein Rainbow Refugees Cologne e. V. unterstützt das Kollektiv bereits, doch es wird noch mehr Hilfe gebraucht. Das Kollektiv hat eine Spenden-Kampagne auf Betterplace gestartet und spricht aktuell ganz explizit mögliche Fördergeber:innen an. Denn nur mit einer ausreichenden Finanzierung kann eine angemessene Bezahlung der Beteiligten und ein Abbau von Barrieren, z. B. durch den Einsatz von Gebärdensprachdolmetscher:innen, erfolgen! Dies ist für die Organisator:innen Teil von intersektionalem Veranstalten. Spenden sind möglich unter: https://bit.ly/3iibNJU

Darüber hinaus gibt es noch andere Wege, die Veranstaltung zu unterstützen. Sie möchten helfen? Organisationen, Firmen und Vereine können beispielsweise Reise-, Strom-, Bühnen- oder Technikkosten, Verpflegung von Künstler:innen, Medientrailer oder Maßnahmen für Barrierefreiheit übernehmen. Für weitere Infos: info@queer-roma.de

Pressemitteilung

By Aktuelles, Medien, Presse, Stellungnahmen

Gegen das Vergessen und Verdrängen – Gespräche mit Rom:nja und Sinti:ze
Förderung durch das Land NRW

Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen fördert seit Februar 2021 das Projekt „Gegen das Vergessen und Verdrängen – Gespräche mit Rom:nja und Sinti:ze“/ das Projekt wird in Kooperation mit der Selbstorganisation Romane Romnja umgesetzt/ Erinnerungen und Erfahrungen der 2. und 3. Generation nach dem NS-Völkermord sollen bewahrt werden

Köln, 12.05.2021: Seit Februar 2021 fördert das nordrhein-westfälische Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration das Projekt „Gegen das Vergessen und Verdrängen – Gespräche mit Rom:nja und Sinti:ze.“ Ziel des Projektes ist es, gemeinsam mit der Selbstorganisation Romane Romnja, Zeitzeug:innengespräche mit der 2. und 3. Generation von Rom:nja und Sinti:ze nach dem Samuradipen, also nach dem NS-Völkermord, zu führen. Dabei sollen geflüchtete Rom:nja sowie Rom:nja und Sinti:ze mit und ohne Zuwanderungsgeschichte mit Bezug zum Land NRW im Mittelpunkt stehen. Die Video-Interviews werden im Archiv des Rom e.V. bewahrt. In enger Zusammenarbeit mit den Zeitzeug:innen wird zudem ein ca. zweistündiger Film entstehen, der gegen Ende der Projektlaufzeit einem breiten Publikum präsentiert wird.

„Mit den Interviews möchten wir die vielfältigen Geschichte(n) und Erfahrungen der Menschen bewahren und der jahrzehntelangen und bis heute andauernden rassistischen Marginalisierung entgegenwirken. Das Projekt richtet sich daher auch an die Dominanzgesellschaft, die mithilfe des Films zum Abbau von eignen rassistischen Bildern und Praxen angeregt werden soll“, so die Projektleiterin Lisa Willnecker. Denn nach 1945 war der NS-Völkermord an Rom:nja und Sinti:ze von der Dominanzgesellschaft geleugnet worden, Opfer erhielten in den wenigsten Fällen Entschädigungszahlungen, Täter:innen blieben unbehelligt und konnten eine aktive Schuldumkehr betreiben, sodass sich rassistische Praxen gegenüber der Community auch nach 1945 in der deutschen Gesellschaft halten konnten. Infolge der rassistischen Kontinuitäten verheimlichten einige Angehörige aus der Minderheit ihre Identitäten, andere wiederum setzten sich offensiv zur Wehr und traten für eine gleichberechtigte Teilhabe und eine Anerkennung des NS-Völkermordes ein.

Gemeinsam mit den Zeitzeug:innen und der Selbstorganisation Romane Romnja wird die Ausgestaltung und Umsetzung des Projekts realisiert. Gordana Herold und Elvira Ajvazi, (Mitbe-) Gründerinnen der Initiative Romane Romnja betonen: „Es ist von hoher Bedeutung, dass unsere jahrzehntelang marginalisierten Stimmen aus der Community in der Gesellschaft hör- und sichtbar werden. Das Projekt kann so nicht nur zum Abbau des Rassismus in der Dominanzgesellschaft beitragen, sondern auch zum Ausbau des Empowerments in der Community. Durch die Dokumentation der Zeitzeug:innengespräche ist es auch nachfolgenden Generationen möglich, sich mit den eignen Geschichte(n) und Erfahrungen der Vorfahren, neuen und alten Vorbildern und der eignen Identität auseinanderzusetzen.“

Das Zeitzeug:innenprojekt ist im Rom e.V. an das Projekt RomBuK- Bildung und Kultur im Rom e.V., welches vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Köln gefördert wird, angegliedert.

Ansprechpartnerin: Lisa Willnecker; lisa.willnecker@romev.de; 0221-2786076

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Presseerklärung zum 16.12.1942

By Aktuelles, Medien, Presse, Stellungnahmen

Gegen das Vergessen: Der „Auschwitz-Erlass“ von 1942 / Studie der Universität Leipzig bestätigt antiziganistische Ressentiments in der Gesellschaft

Heute vor 78 Jahren erließ der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“. Darin ordnete er die Deportationen der noch im Deutschen Reich verbliebenen Rom_nja und Sinti_ze in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau an. Der Erlass bildete die Grundlage für den Genozid an Rom_nja und Sinti_ze. Einem Großteil der Bevölkerung ist dies bis heute nicht bekannt.

 

Um die NS-Verbrechen an Rom_nja und Sinti_ze und die damit einhergehende Verantwortung zur Erinnerung und Mahnung in das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, entwickelten der Rom e.V. und der Künstler Gunter Demnig anlässlich des 50. Jahrestags des „Auschwitz-Erlasses“ eine Idee: Vor dem Historischen Rathaus der Stadt Köln verlegte Demnig 1992 einen Stein aus Messing, der der erste Prototyp der späteren Stolpersteine sein sollte. Statt der biografischen Informationen trägt der Stein die Zeilen des Schnellbriefes des Reichssicherheitshauptamtes vom Januar 1943, der auf den Inhalt des Auschwitz-Erlasses von Himmler Bezug nimmt. Der Erlass selbst ist nicht überliefert. 2010 wurde der Stolperstein vor dem Rathaus von Unbekannten entwendet. Drei Jahre später konnte ein neuer Stolperstein vor dem Historischen Rathaus eingesetzt werden.

Bis heute sind Angehörige der Minderheiten von Rassismus betroffen. Die vor kurzem erschienene Studie der Universität Leipzig über rechtsextreme Einstellungen in Deutschland bestätigt einmal mehr, dass sich antiziganistische Ressentiments im gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein hartnäckig halten. Auch Ruždija Russo Sejdović, Vorstandsmitglied des Rom e.V., sieht die Ergebnisse der Studie sowie die Radikalisierung der Gesellschaft in Zeiten der Corona-Pandemie als besorgniserregend an:

„Wie können wir unsere Gegenwart und Zukunft unter Einhaltung der Menschenrechte gestalten, wenn eine Beschäftigung mit der Vergangenheit nicht stattfindet und stattdessen Geschichtsrevisionismus betrieben wird? Die Geschichte lehrt uns, dass insbesondere in Krisenzeiten Minderheiten zu Sündenböcken stigmatisiert werden. Die aktuelle Situation muss uns ein Alarmsignal sein. Es ist höchste Zeit, sich gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus zu positionieren und für die Einhaltung der Menschenrechte einzutreten.“

Ansprechpartnerin: Lisa Willnecker, lisa.willnecker@romev.de; 0221-2786076

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Offizieller Gedenktag an die ermordeten Rom_nja und Sinti_ze im Nationalsozialismus

By Aktuelles, Stellungnahmen

In der Nacht vom 2. auf den 3. August ermordete die SS die noch inhaftierten Rom_nja und Sinti_ze in dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau.

Einige Monate zuvor, am 16. Mai 1944, konnte die bereits geplante Ermordung der im KZ Auschwitz-Birkenau inhaftierten  Rom_nja und Sinti_ze noch durch den eigenen Widerstand verhindert werden.  Daraufhin wurden die Angehörigen der Minderheit, die noch als „arbeitsfähig“ galten, in Konzentrationslager auf dem Gebiet des Deutschen Reiches deportiert, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Die übrigen Rom_nja und Sinti_ze wurden in der Nacht vom 2. auf 3. August in den Gaskammern durch die SS ermordet.

Erst seit 2015 ist der 2. August durch das EU-Parlament zum offiziellen Holocaust-Gedenktag für Rom_nja und Sinti_ze erklärt worden.

75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus richten wir den Blick in die Gegenwart und müssen feststellen, dass die Geschichtsvergessenheit in Bezug auf die NS-Verbrechen an Rom_nja und Sinti_ze weiterhin stark in der Dominanzgesellschaft verbreitet ist:
Nur 8 Jahre nach der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas, für dessen Errichtung die Bürger_innenrechtsbewegung unermüdlich kämpfen musste,  plant die Deutsche Bahn für den Bau einer S-Bahn-Linie das Denkmal teilweise abzubauen bzw. unzugänglich zu machen. Der Deutschen Bahn, als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, die die unschuldigen Menschen in die Konzentrationslager deportierte, sollte die Pietätslosigkeit dieses Vorhabens bewusst sein. Dem Widerstand aus der Community und weiteren Verbündeten ist es zu verdanken, dass die DB gezwungen ist, ihre Pläne zu überdenken.

Und so zeigt sich, dass die Wahrung der Erinnerung und des Gedenkens wichtiger ist denn je – gerade auch in Zeiten der Corona-Pandemie, die ein gemeinsames Erinnern vor neue Herausforderungen stellt.

Im Namen des Rom e.V. lädt RomBuK anlässlich des 2. Augusts zu einem Filmabend ein. Wir zeigen die Dokumentation „Es ging Tag und Nacht, liebes Kind“  von Melanie Spitta. Mehr Infos zu unserer Veranstaltung finden Sie hier: https://www.romev.de/?p=3649

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