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Presse

Wider das Vergessen!

By Aktuelles, Presse

Gedenken an die Deportationen aus Köln / Widerstand von  Rom_ja und Sinti_ze in Auschwitz-Birkenau am 16.05.1944 

Am 16. Mai  1940 begann die Kriminalpolizei in Zusammenarbeit mit der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ Rom_nja und Sinti_ze in Köln festzunehmen. Sechs Tage später, am 21. Mai, wurden sie vom Bahnhof Deutz in das sogenannte „Generalgouvernement“ nach Polen deportiert. Neben Köln wurden Rom_nja und Sinti_ze auch in Hamburg und Stuttgart konzentriert. Von dort aus wurden sie in Lager und Ghettos in Polen interniert, wo sie unter katastrophalen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten.

Der 16. Mai erinnert aber ebenfalls an den Widerstand von Rom_nja und Sinti_ze im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Jahr 1944. Durch die Gegenwehr konnten sie ihre geplante Ermordung vorerst verhindern.

75 Jahre nach dem Samuradipen, dem Völkermord an Rom_nja und Sinti_ze,  hat der Rassismus gegenüber der Minderheit  nicht an Aktualität verloren. Dies verdeutlicht die Anfrage der Fraktion DIE LINKE an die Bundesregierung zu antiziganistisch motivierten Straftaten im Jahr 2019. Aus den Antworten geht nicht nur hervor, dass antiziganistisch motivierte Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 15 % zunahmen, sondern auch, dass der institutionelle Rassismus gegen Rom_nja und Sinti_ze tief verwurzelt ist. So schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort von einem „Umgang mit Personen aus fremden Kulturkreisen“ und schafft so eine rassistische Abgrenzung. Angehörige der Minderheit leben seit über 600 Jahren in Deutschland.

Umso wichtiger ist ein aktives Gedenken, welches die nationalsozialistische Verfolgung, den Widerstand und die Errungenschaften der Minderheit nicht in Vergessenheit geraten lässt und die Dominanzgesellschaft ihrer historischen Verantwortung (er)mahnt.

Bereits 1990, zum 50. Jahrestag der Mai-Deportationen, trug der Rom e.V. in Zusammenarbeit mit dem Künstler Gunter Demnig zur Aufrechterhaltung einer lebendigen Erinnerung bei. Mit einer Farbspur „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“, die sich vom Zwangslager „Schwarz-Weiß-Platz“  über die ehemaligen Wohnorte bis zum Deportationsbahnhof in Deutz quer durch den Kölner Stadtraum erstreckte, machten sie die nationalsozialistische Verfolgung von Rom_nja und Sinti_ze sichtbar. Bis heute erinnert die Spur die Dominanzgesellschaft an 22 Stellen im Kölner Stadtgebiet an die nationalsozialistischen Verbrechen.

In Erinnerung an die Ereignisse des 16. Mai  lädt das Projekt „RomBuK-Bildung und Kultur im Rom e.V.“ im Namen des Rom e.V. vom 15.05.2020–21.05.2020 zu einer digitalen Veranstaltungsreihe mit Podiumsdiskussion, Vortrag und künstlerischer Performance ein.

Mehr Informationen dazu unter:

Facebook: RomBuK2019, Instagram: rombuk_2019 oder der Webseite: romev.de

Rückfragen an: serce.oeznarcicegi@romev.de

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75 Jahre Kriegsende

By Aktuelles, Presse

Am 8. Mai jährt sich das Kriegsende zum 75. Mal. Der Tag gilt als historische Zäsur, als Ende des Krieges und Nationalsozialismus‘ und als demokratischer Neuanfang.

Für viele Überlebende jedoch, die während des NS verfolgt worden sind, markierte der 8. Mai 1945 noch lange kein Ende der rassistischen und somit benachteiligenden Strukturen. 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus und vom Krieg zeigt sich im Jahr 2020 einmal mehr, dass die deutsche Dominanzgesellschaft weiterhin ein arges Rassismus-Problem hat. Rassistisch motivierte Attentate wie in Hanau und Celle sind zwei weitere traurige Beispiele dafür. Sie zeigen, dass wir gemeinsam aufstehen und rassistische Verhältnisse mit allen Mitteln bekämpfen müssen!

Um auf die Kontinuitäten des Rassismus in der deutschen Gesellschaft und die Missachtung von Menschenrechten aufmerksam zu machen, hat sich das „Streikbündnis 8. Mai“ gegründet. Wir verweisen auf den Offenen Brief des Streikbündnisses: https://wirstreiken0805.wordpress.com/2020/04/29/forderungen/

Fordert mit uns das Ende des Rassismus und unterschreibt den „Offenen Brief“ des Streikbündnis 8.Mai!

Foto: Jewgeni Chaldej/ Mil.ru, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY 4.0

Das Foto zeigt einen Soldaten, der auf dem Berliner Reichstag eine sowjetische Flagge hisst. Bei dem Foto handelt es sich um eine nachträgliche Inszenierung, da es am Abend als die sowjetischen Truppen in Berlin ankamen bereits zu dunkel gewesen war. Dennoch entwickelte sich das Bild zu einer fotografischen Ikone für das Kriegsende.

#8mai1945 #75liberation #fightracism #gegenrassismus #rombuk_2019 #solidarity #gedenken #hanau #celle #rechterterror #fcknzs

Pressemitteilung zum internationalen Welt-Rom-nja Tag

By Aktuelles, Presse

49 Jahre und nichts gelernt?

1971 Weltweiter Kongress von Vertreter_innen der Rom_nja – Communities in London/ Bekämpfung von Antiziganismus besonders in Zeiten des Corona-Virus eine internationale und gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Am 8. April 1971 fand der erste Welt-Rom_nja-Kongress in London statt. Prominente Persönlichkeiten wie Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Slobodan Beberkis, Ján Cibula und Grattan Puxon nahmen daran teil und schrieben so Geschichte. Anlass für den Welt-Rom_nja-Kongress war der nach 1945 fortgesetzte Rassismus. Fast 49 Jahre später hat der Rassismus gegen Rom_nja und Sinti_ze noch immer nicht nachgelassen.

Die zentrale Forderung des Kongresses nach einer Verbesserung des rechtlichen Status und nach gleichberechtigter Teilhabe der Rom_nja – Communities hat nicht an Aktualität verloren.

2020 ist die Situation für viele Menschen, besonders in der Krise der Corona-Pandemie, verschärft. In Mazedonien, Bulgarien, Rumänien und in der Slowakei sind viele Viertel, in denen Rom_nja leben, präventiv unter Quarantäne gestellt. Verstärkte Polizeikontrollen gegenüber Rom_nja führen dazu, dass einige Familien kaum noch dringend notwendige Einkäufe, etwa in der Apotheke, tätigen oder überlebenswichtige Güter wie Wasser, Lebensmittel und Medikamente einkaufen können. Immer wieder wird Rom_nja auch eine überlebensnotwendige medizinische Behandlung verweigert. Somit droht den Rom_nja vor Ort eine humanitäre Katastrophe.

Auch der alltägliche Rassismus in Deutschland nimmt zu, erklärt die Aktivistin und RomBuK-Mitarbeiterin Öznarçiçeği. „Erst vor wenigen Wochen hat ein Terrorist in Hanau Schwestern und Brüder ermordet, die Polizei betreibt Racial Profiling, wie der Polizeibericht aus Berlin von 2017 zeigt und die Hasskommentare auf den Social Media Plattformen nehmen zu. […] das schlimmste ist, dass es so viele Menschen gibt, die in Macht- und Amtspositionen sitzen und nicht einmal merken, wie rassistisch ihre Denkmuster sind. Es wird Zeit, dass wir umdenken. Hanau zeigt uns, dass wir endlich umdenken und reflektieren müssen!“ Sie gibt weiterhin an, dass die Herausforderung am rassismuskritischen Denken darin bestehe, dass jede_r sich der eigenen Rassismen bewusst werden müsse. „Das Problem wird immer bei meinen Brüdern und Schwestern gesucht. Nur wenige aus der Dominanzgesellschaft fragen sich, ob sie das Problem erst erschaffen und aufrechterhalten.“ Die Herausforderungen der derzeitigen Krise betrachtet Öznarçiçeği kämpferisch: „Obwohl wegen der Krise vieles still steht und das öffentliche Leben eingeschränkt ist, können wir jetzt nicht aufhören, für Menschenrechte zu kämpfen. Gerade in Zeiten dieser Pandemie ist der politische Wille notwendig, um weitere Hassverbrechen zu verhindern und Solidarität zu fördern.“

Deshalb lädt RomBuK im Namen des Rom e.V. am 08.04.2020 um 19 Uhr zum Internationalen Tag der Rom_nja ein. Merfin Demir hält einen online Live-Vortrag über die historische Bedeutung des Internationalen Tages der Rom_nja. Anschließend steht der Referent für eine Diskussionsrunde zur Verfügung. Anmelden können Sie sich noch bis zum 08.04.2020; 18 Uhr unter rombuk@romev.de.

Kurzbeschreibung Vortrag

Internationaler Tag der Roma – Die Bürger_innenrechtsarbeit im 21. Jahrhundert

Thema des Live-Vortrages ist der erste Welt-Roma-Kongress vom 8. April 1971, seine Auswirkungen und seine Bedeutung für heute. Ein zentraler Fokus wird zudem auf der Bürger_innenrechtsarbeit im 21. Jahrhundert liegen. Eingeleitet wird der Vortrag mit einem historischen Überblick über die Nachkriegszeit. Der Vortrag endet mit einem Ausblick auf die Menschenrechtsarbeit im 21. Jahrhundert.

Merfin Demir ist Gründer und Landesgeschäftsführer von Terno Drom e. V. Sein Arbeitsschwerpunkt ist rassismuskritische Empowermentarbeit mit jungen Rom_nja und ihren Familien. Durch seine Tätigkeit beim Projekt KIRIV 2.0 – für Empowerment und Gendergerechtigkeit erreicht er darüber hinaus alevitische, êzîdische und kurdische Jugendliche. Für die Studie zu Rassismuserfahrungen von Rom_nja und Sinti_ze im Auftrag der Unabhängigen Kommission Antiziganismus ist er als freier Mitarbeiter der Alice Salomon Hochschule tätig.

Menschen aus ganz Deutschland haben sich an der von RomBuK im Namen des Rom e.V. initiierten Kampagne zum Internationalen Tag der Rom_nja beteiligt und politische und gesellschaftliche Misstände angeklagt und Forderungen gestellt. Die Kampagne kann auf Instagram unter rombuk_2019 oder auf Facebook unter RomBuK2019 eingesehen werden.

 

Rückfragen an: serce.oeznarcicegi@romev.de

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Offener Brief an die Zivilgesellschaft

By Aktuelles, Presse

in Zeiten der Krise ist es essenziell, zusammenzuhalten und die Menschenrechte und unsere demokratischen Grundwerte aktiv zu verteidigen.

Eine Demokratie ist nur so stark wie die Menschen tagtäglich ihre Einhaltung und Umsetzung einfordern. Deshalb ist ein demokratisches Miteinander immer, aber besonders in Zeiten der Krise, auf solidarisches Handeln angewiesen.

  • Das heißt Rücksicht zu nehmen, auf die Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Jede_r Einzelne wird in seiner_ihrer Familie / in seinem_ihrem Umfeld einen Menschen kennen, der zu dieser Risikogruppe gehört.
  • Es heißt auch Rücksicht zu nehmen auf die Menschen, die sich tagtäglich dafür einsetzen, dass betroffene Personen bestmöglich versorgt werden können.
  • Es heißt auch den Hut vor den Menschen zu ziehen, die in Berufen tätig sind, die bisher wenig gesellschaftlich anerkannt sind, sich aber als unabdingbar offenbart haben.
  • Es heißt auch, sich für die Einhaltung der Rechte von Menschen stark zu machen, die es ohnehin schwer haben und von der Ausbreitung des Coronavirus besonders stark betroffen sein werden.

Auch in den überfüllten Lagern und Notunterkünften für geflüchtete Menschen, z.B. auf den griechischen Inseln, drohen die Menschen der Verbreitung des Virus ausgeliefert zu sein. (Präventions-) Vorkehrungen gegen die rasante Ausbreitung des Virus, wie Hände waschen, Social Distancing und Quarantäne sind weitestgehend nicht bis schwer möglich. Deshalb müssen die Lager und Unterkünfte, in denen die Menschen auf engstem Raum und unter katastrophalen Bedingungen leben, evakuiert werden! Die EU und die Bundesregierung müssen das energisch einfordern.

Gemäß den Forschungsergebnissen des European Roma Rights Centers (ERRC) hat die Mehrheit der Rom_nja in Europa keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, mehr als die Hälfte ist auf Wasserquellen angewiesen, die mehr als 150 m entfernt sind, was sie besonders anfällig für die Infektion mit dem Virus macht. Auch allen anderen Menschen, die von Wasser sowie medizinischer Versorgung und Information abgeschnitten sind, müssen Zugänge sichergestellt werden. Sauberes Wasser ist notwendig, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Hier ist ein sofortiges Handeln der EU notwendig.

Angesichts der absoluten Reduzierung der Mobilität von Menschen auf europäischer und internationaler Ebene muss die Bundesregierung bis auf weiteres einen sofortigen Abschiebestopp erlassen!

Und schließlich muss die Stadt Köln dafür sorgen, dass die derzeit in Köln untergebrachten Geflüchteten ausreichend Informationen über das nun notwendige Alltagsverhalten angesichts des Coronavirus in ihrer Herkunftssprache erhalten. Aufgrund des hohen Anteils von Rom_nja unter den Geflüchteten muss auch in Romanes und Serbokroatisch informiert werden.

Jetzt können wir alle zeigen, dass die Menschenrechte für alle zählen!

Solidarisches und europäisches statt egoistisches oder sogar nationalistisches Handeln ist das, was wir zur Bewältigung der Krise brauchen.

Es liegt in unserer Hand, was für eine Gesellschaft wir sind!

Vorstand des Rom e.V., Köln, 20.03.2020

Offener Brief an die Zivilgesellschaft_Rom e.V.

Pressemitteilung

By Aktuelles, Presse

RomBuK vorgestellt: Arbeit gegen Antiziganismus in Köln

Das Projekt RomBuK – Bildung und Kultur im Rom e.V. nimmt in Köln offiziell seine Arbeit auf. Ziel ist es, den Rassismus gegen Rom_nja und Sinti_ze zu bekämpfen und den Angehörigen der Minderheit durch Selbstermächtigung eine starke Stimme zu verleihen.

75 Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten nach einer gelungenen Auftaktveranstaltung am Donnerstag den 30.01.2020 die gesellschaftlichen Möglichkeiten, um dem Antiziganismus und dem radikaler werdenden Fremdenhass gemeinsam entschlossen entgegen zu treten. Darunter Vertreter der Ratsfraktionen, Frau Hedwig NevenDuMont, der Amtsleiter des Amtes für Integration, aber auch vom Zentralrat der deutschen Sinti und Roma aus Heidelberg. Die bekannte Rechtsanwältin und Autorin Nizaquete Bislimi-Hoso erzählte in bewegenden Worten ihren Lebensweg von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin. Nedjo Osman, Schauspieler, Dichter und Leiter des TKO-Theaters zitierte in einer eindringlichen Performance aus Briefen von Sinti und Roma, die im Nationalsozialimus Opfer des Völkermordes wurden. Viele Gäste waren sichtlich ergriffen.

„Mit RomBuK übernehmen wir eine große Verantwortung!“, gibt Serce Öznarcicegi zu bedenken „die Situation für die Menschen der Minderheit wird immer bedrohlicher.“ „RomBuK war eine Utopie, die nun in die harte Realität transferiert wurde. Hart ist Realität deshalb, weil u.a. durch populistische Parteien Rassismus und Menschenverachtung, die sich in der Gesellschaft breit machen, eine parlamentarische Stimme bekommen haben“, gibt die 1. Vorsitzende des Vereins Simone Treis in ihrer Rede zu bedenken. Lisa Willnecker, die mit dem Team neue Strukturen aufbaut, bestätigt, dass es nicht immer um physische Gewalt gehe: „Auch Worte können Gewalttaten an Menschen sein. Es geht darum zu reflektieren, zu hinterfragen und sich der eigenen Rassismen und Klischees bewusst zu werden, um der Utopie einer gerechteren Gesellschaft näher zu kommen.“

Der Verein Rom e.V. leistet seit über 30 Jahren aktiv Arbeit gegen Rassismus, für Menschenrechte und für Bildungschancen. Das am Donnerstag offiziell vorgestellte Team erweitert den Arbeitsbereich des Vereins. Mit RomBuK gibt es seit 2019 ein Expertinnen-Team, welches die Bereiche Bildung und Kultur mit einander verknüpft.Das ist möglich, weil die Stadt Köln durch Ratsbeschluss ab 2019 in die Mitfinanzierung des Bereiches eingestiegen ist. Geplant sind individuelle Workshops und Fortbildungen, die schon jetzt auf Anfrage gebucht werden können, öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen. Mit der wissenschaftlichen Präsenzbibliothek sowie dem Archiv und Dokumentationszentrum, für die Ruzdija Sejdovic 2018 mit dem Archivarius-Preis ausgezeichnet wurde, tritt das Team dem Antiziganismus auf breiter Basis entgegen. „Vera Tönsfeldt, hat 2019 die Sammlungsleitung übernommen. Es ist ein sensibles Thema, aber ich stehe ihr beratend zur Seite und wir diskutieren viel, um möglichst viele Perspektiven im Archiv zu bewahren und Rom_nja und Sinti_ze eine Stimme zu geben“, sagt Sejdovic.

Kontakt:
RomBuK – Bildung und Kultur im Rom e.V.
Vera Tönsfeldt
vera.toensfeldt@romev.de
0221/278 6035

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Veranstaltungsfoto

Presseerklärung zum 16.12.1942

By Aktuelles, Presse

Presseerklärung zum 16.12.1942
Ein Ende des Antiziganismus ist nicht absehbar!

Der Rom e. V. Köln erinnert an den Auschwitzerlass vor 77 Jahren und fordert den Schutz der Minderheiten im Land und die Einhaltung der Menschenrechte.

Vor 77 Jahren, am 16. Dezember 1942, unterzeichnete Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“. Für Rosa Demetri aus dem Kleinen Griechenmarkt 50 hieß das Anfang März 1943, sie würde „umgesiedelt“ werden. Sie war 61, nun sollte sie packen, das Nötigste, Handgepäck. Was in der Wohnung zurückblieb, kam auf eine Liste, damit es anschließend enteignet und an die „deutsche Volksgemeinschaft“ verteilt werden konnte. Sie sei, hatte ein Aussonderungsinstitut in Berlin festgelegt, eine „Gelderari“ und „Zigeunerin (Róm aus Ungarn)“. Der Zug, in dem sie in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit einer großen Zahl weiterer als „Zigeuner“ oder „Zigeuner-Mischling“ eingestufter Kölner saß, brachte sie nach Auschwitz- Birkenau. Das war ein Vernichtungslager. Dort verzeichnete die Lagerbürokratie für den 13. August 1943 ihren Tod.

Der Jahrestag des Auschwitz-Erlasses ist dem Rom e. V. Anlass, an diese Geschichte zu erinnern. Rosa Demetri war eine von etwa 23.000 nach Auschwitz Deportierten aus der Roma-Minderheit. Es überlebten dort nur wenige. Und Auschwitz war nicht der einzige Ort der Vernichtung. Ein Vielfaches dieser Zahl wäre zu nennen für die Gesamtheit der europäischen Roma-Minderheit, denn die Massenverbrechen der Nazis ereigneten sich überall in Europa, wo sie das Sagen hatten. Ihr Ziel war die genozidale Auslöschung der Minderheit, wie es das Ziel der nazistischen Verbrechen an der jüdischen Minderheit war.

Warum ist es wichtig, auf den 16. Dezember 1942 zurückzuverweisen? Immer noch? Um es mit den Worten des Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zu sagen: weil „Phänomene wie Antisemitismus und Antiziganismus unvermindert eine Gefahr darstellen“. Das muss nicht lange begründet werden. Völkisch-rassistische Konzepte haben Konjunktur und führen eine Partei, die sich ihnen verschrieben hat, zu Erfolgen. Die Übergänge nach weit rechts außen und bis in die Bereitschaft zum offenen Verbrechen sind dabei fließend. Dafür stehen die Mordserie der Zwickauer Killerzelle oder der erst kürzlich geschehenen Mord an Walter Lübcke oder die Morde an zwei Menschen vor der Synagoge in Halle.
Ein besonderes Augenmerk, so Rose, müsse „der schleichenden, jenseits öffentlicher Wahrnehmung erfolgenden Aushöhlung“ einer liberalen, offenen, integrativen und an den Menschenrechten orientierten Haltung „durch Rechtsradikale und deren intellektuelle Vordenker“ gelten. Dem kann der Rom e. V. sich nur anschließen, weil er in seiner alltäglichen Arbeit mit und für osteuropäische Roma immer wieder mit diesen Versuchen einer „Aushöhlung“ konfrontiert wird.

Der 16. Dezember ist für uns Anlass, an alle gesellschaftlichen Kräfte zu appellieren, deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit jeder Art Stellung zu beziehen und der verlockenden Möglichkeit nicht zu verfallen, das Repertoire der Ressentiments zu bedienen, so dass derartige Ideen in der gesellschaftlichen Mitte an Akzeptanz gewinnen können.

Dr. Ulrich Opfermann für den Rom e. V.

Pressemitteilung 16.12.2019

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