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By Aktuelles, Presse

RomBuK vorgestellt: Arbeit gegen Antiziganismus in Köln

Das Projekt RomBuK – Bildung und Kultur im Rom e.V. nimmt in Köln offiziell seine Arbeit auf. Ziel ist es, den Rassismus gegen Rom_nja und Sinti_ze zu bekämpfen und den Angehörigen der Minderheit durch Selbstermächtigung eine starke Stimme zu verleihen.

75 Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten nach einer gelungenen Auftaktveranstaltung am Donnerstag den 30.01.2020 die gesellschaftlichen Möglichkeiten, um dem Antiziganismus und dem radikaler werdenden Fremdenhass gemeinsam entschlossen entgegen zu treten. Darunter Vertreter der Ratsfraktionen, Frau Hedwig NevenDuMont, der Amtsleiter des Amtes für Integration, aber auch vom Zentralrat der deutschen Sinti und Roma aus Heidelberg. Die bekannte Rechtsanwältin und Autorin Nizaquete Bislimi-Hoso erzählte in bewegenden Worten ihren Lebensweg von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin. Nedjo Osman, Schauspieler, Dichter und Leiter des TKO-Theaters zitierte in einer eindringlichen Performance aus Briefen von Sinti und Roma, die im Nationalsozialimus Opfer des Völkermordes wurden. Viele Gäste waren sichtlich ergriffen.

„Mit RomBuK übernehmen wir eine große Verantwortung!“, gibt Serce Öznarcicegi zu bedenken „die Situation für die Menschen der Minderheit wird immer bedrohlicher.“ „RomBuK war eine Utopie, die nun in die harte Realität transferiert wurde. Hart ist Realität deshalb, weil u.a. durch populistische Parteien Rassismus und Menschenverachtung, die sich in der Gesellschaft breit machen, eine parlamentarische Stimme bekommen haben“, gibt die 1. Vorsitzende des Vereins Simone Treis in ihrer Rede zu bedenken. Lisa Willnecker, die mit dem Team neue Strukturen aufbaut, bestätigt, dass es nicht immer um physische Gewalt gehe: „Auch Worte können Gewalttaten an Menschen sein. Es geht darum zu reflektieren, zu hinterfragen und sich der eigenen Rassismen und Klischees bewusst zu werden, um der Utopie einer gerechteren Gesellschaft näher zu kommen.“

Der Verein Rom e.V. leistet seit über 30 Jahren aktiv Arbeit gegen Rassismus, für Menschenrechte und für Bildungschancen. Das am Donnerstag offiziell vorgestellte Team erweitert den Arbeitsbereich des Vereins. Mit RomBuK gibt es seit 2019 ein Expertinnen-Team, welches die Bereiche Bildung und Kultur mit einander verknüpft.Das ist möglich, weil die Stadt Köln durch Ratsbeschluss ab 2019 in die Mitfinanzierung des Bereiches eingestiegen ist. Geplant sind individuelle Workshops und Fortbildungen, die schon jetzt auf Anfrage gebucht werden können, öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen. Mit der wissenschaftlichen Präsenzbibliothek sowie dem Archiv und Dokumentationszentrum, für die Ruzdija Sejdovic 2018 mit dem Archivarius-Preis ausgezeichnet wurde, tritt das Team dem Antiziganismus auf breiter Basis entgegen. „Vera Tönsfeldt, hat 2019 die Sammlungsleitung übernommen. Es ist ein sensibles Thema, aber ich stehe ihr beratend zur Seite und wir diskutieren viel, um möglichst viele Perspektiven im Archiv zu bewahren und Rom_nja und Sinti_ze eine Stimme zu geben“, sagt Sejdovic.

Kontakt:
RomBuK – Bildung und Kultur im Rom e.V.
Vera Tönsfeldt
vera.toensfeldt@romev.de
0221/278 6035

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Veranstaltungsfoto

Presseerklärung zum 16.12.1942

By Aktuelles, Presse

Presseerklärung zum 16.12.1942
Ein Ende des Antiziganismus ist nicht absehbar!

Der Rom e. V. Köln erinnert an den Auschwitzerlass vor 77 Jahren und fordert den Schutz der Minderheiten im Land und die Einhaltung der Menschenrechte.

Vor 77 Jahren, am 16. Dezember 1942, unterzeichnete Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“. Für Rosa Demetri aus dem Kleinen Griechenmarkt 50 hieß das Anfang März 1943, sie würde „umgesiedelt“ werden. Sie war 61, nun sollte sie packen, das Nötigste, Handgepäck. Was in der Wohnung zurückblieb, kam auf eine Liste, damit es anschließend enteignet und an die „deutsche Volksgemeinschaft“ verteilt werden konnte. Sie sei, hatte ein Aussonderungsinstitut in Berlin festgelegt, eine „Gelderari“ und „Zigeunerin (Róm aus Ungarn)“. Der Zug, in dem sie in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit einer großen Zahl weiterer als „Zigeuner“ oder „Zigeuner-Mischling“ eingestufter Kölner saß, brachte sie nach Auschwitz- Birkenau. Das war ein Vernichtungslager. Dort verzeichnete die Lagerbürokratie für den 13. August 1943 ihren Tod.

Der Jahrestag des Auschwitz-Erlasses ist dem Rom e. V. Anlass, an diese Geschichte zu erinnern. Rosa Demetri war eine von etwa 23.000 nach Auschwitz Deportierten aus der Roma-Minderheit. Es überlebten dort nur wenige. Und Auschwitz war nicht der einzige Ort der Vernichtung. Ein Vielfaches dieser Zahl wäre zu nennen für die Gesamtheit der europäischen Roma-Minderheit, denn die Massenverbrechen der Nazis ereigneten sich überall in Europa, wo sie das Sagen hatten. Ihr Ziel war die genozidale Auslöschung der Minderheit, wie es das Ziel der nazistischen Verbrechen an der jüdischen Minderheit war.

Warum ist es wichtig, auf den 16. Dezember 1942 zurückzuverweisen? Immer noch? Um es mit den Worten des Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zu sagen: weil „Phänomene wie Antisemitismus und Antiziganismus unvermindert eine Gefahr darstellen“. Das muss nicht lange begründet werden. Völkisch-rassistische Konzepte haben Konjunktur und führen eine Partei, die sich ihnen verschrieben hat, zu Erfolgen. Die Übergänge nach weit rechts außen und bis in die Bereitschaft zum offenen Verbrechen sind dabei fließend. Dafür stehen die Mordserie der Zwickauer Killerzelle oder der erst kürzlich geschehenen Mord an Walter Lübcke oder die Morde an zwei Menschen vor der Synagoge in Halle.
Ein besonderes Augenmerk, so Rose, müsse „der schleichenden, jenseits öffentlicher Wahrnehmung erfolgenden Aushöhlung“ einer liberalen, offenen, integrativen und an den Menschenrechten orientierten Haltung „durch Rechtsradikale und deren intellektuelle Vordenker“ gelten. Dem kann der Rom e. V. sich nur anschließen, weil er in seiner alltäglichen Arbeit mit und für osteuropäische Roma immer wieder mit diesen Versuchen einer „Aushöhlung“ konfrontiert wird.

Der 16. Dezember ist für uns Anlass, an alle gesellschaftlichen Kräfte zu appellieren, deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit jeder Art Stellung zu beziehen und der verlockenden Möglichkeit nicht zu verfallen, das Repertoire der Ressentiments zu bedienen, so dass derartige Ideen in der gesellschaftlichen Mitte an Akzeptanz gewinnen können.

Dr. Ulrich Opfermann für den Rom e. V.

Pressemitteilung 16.12.2019

PRESSEMITTEILUNG: Stolperstein-Verlegung am ehemaligen Sülzer Kinderheim- Oberbürgermeisterin Reker nimmt teil

By Presse

EINLADUNG/ PRESSEMITTEILUNG

Stolperstein-Verlegung am ehemaligen Sülzer Kinderheim- Oberbürgermeisterin Reker nimmt teil

Am Donnerstag, dem 26.09.2019 verlegt der Künstler Gunter Demnig um 11 Uhr Stolpersteine für ein Roma Kind und zwei Sinti Kinder, die 1943/1944 im städtischen Waisenhaus am Sülzgürtel gelebt haben.

Zu dem Roma Kind teilt das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln mit:

Das im Jahr 1939 geborene Mädchen Ilga Grünholz, das 1943 nach Auschwitz deportiert wurde, hatte 1940 im Kinderheim „Nazareth“ in Leverkusen-Schlebusch gelebt. Vermutlich war es im Frühjahr 1940 dorthin eingeliefert worden. Die Eltern und Geschwister waren im Mai 1940 aus Köln in das „Generalgouvernement“ deportiert worden. Seit wann das Mädchen im Kinderheim Sülz lebte, ist nicht bekannt. Aus den Akten der früheren Kriminalpolizeileitstelle Köln geht hervor, dass es das Kinderheim selbst war, das die Polizei im Januar 1943 darauf aufmerksam machte, dass bei ihnen ein „Zigeunerkind“ lebte. Die Deportation erfolgte am 3. März 1943, das Kind hat, soweit wir bislang wissen, nicht überlebt.

Oberbürgermeisterin Reker geht davon aus, dass Erinnerungsarbeit an den Völkermord an Roma und Sinti wie auch die Auseinandersetzung mit der Rolle der Stadt im Nationalsozialismus gerade heute wieder aktuell und dringend notwendig ist.

An der gleichen Stelle waren bereits früher Stolpersteine (allerdings ohne die Namen der Kinder) verlegt, die allerdings im Zuge der Bauarbeiten auf dem heutigen Gelände der Sülzer Kinderheime weggebaggert und vermutlich zerstört worden wären.

Dem“ Förderverein Erinnerungsorte Kinderheim Sülz“ ist es zu verdanken, dass diese Steine gerettet wurden. Das NS Dokumentationszentrum hat zu den 3 Kindern intensiv recherchiert und die Steine neu beschriften lassen. Es freut uns, dass Gunter Demnig an der Wiederverlegung der Steine persönlich teilnimmt. Die Patenschaft für die neuen steine hat die evangelische Kirchengemeinde Sülz-Klettenberg übernommen.

Die Veranstaltung wird vom Rom e.V. organisiert und inhaltlich mitgestaltet. An der Veranstaltung wird der bekannte Kölner Musiker Markus Reinhardt teilnehmen. Auch Mitglieder seiner Familie sind nach Auschwitz deportiert worden.

Ort: Ehemaliges Sülzer Kinderheim, Sülzgürtel 47, Zeit: Donnerstag, 26.09., 11.00 Uhr – 11.45 Uhr

Ablauf:

• Begrüßung durch einen Vertreter des Rom e.V.

• Rede der Oberbürgermeisterin

• Kurzbeitrag einer Vertreterin des Rom e.V.

• Kurzbeitrag und Musik von Markus Reinhardt

• Kurzbeitrag des Fördervereins

Für Informationen steht zur Verfügung: Ossi Helling, Vorstand des Rom e.V., Tel: 0171 421 3618


Presseerklärung

Pressemitteilung der Stadt Köln

 

Pressemitteilung zum Kölner Fachtag „Angle Dikhas“,
Modellprojekt des Rom e.V.

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Pressemitteilung

zum Kölner Fachtag „Angle Dikhas“, Modellprojekt des Rom e.V.,
zum Übergang Schule-Beruf  am 7.12.2017

 

Am 7.12.2017 trafen sich in der Kölner Regionalagentur Vertreter des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes NRW, Vertreter*innen aus Schulen, von sozialen Diensten sowie von freien Trägern der Kölner Bildungslandschaft.

Präsentiert wurde die Halbzeitbilanz des Projektes „Angle Dikhas“ – Nach vorne schauen – Perspektiven aufbauen,  das „Bergfest“, wie Herr Bürgermeister Andreas Wolters es in seinem Grußwort nannte. Das Projekt richtet sich an Familien aus rumänischen und bulgarischen Zuwandererfamilien mit Schülern*innen der Klassen 6-8 an Kölner Schulen.

In seinem Eingangsstatement betonte Wolfgang Heiliger, Referatsleiter des MAGS,dass sich die Bildungssituation von Migranten in Deutschland stetig verschlechtere. Aus dem Bericht zur Lage der Roma in der EU gehe zudem hervor, dass 68% der Roma aus schulischer Bildung ausgegrenzt werden.

Das Projekt „Angle Dikhas“ erarbeitet modellhaft Strategien und Handlungsmöglichkeiten dem entgegenzuwirken. Durch einen ganzheitlichen Ansatz, individuelle Beratung und Begleitung, Mediation sowie Sprach- und Kulturmittlung von zwei Roma-Mitarbeiter*innen sowie einer Sozialpädagogin wurden bereits beträchtliche Erfolge erzielt. Beispielhaft sind hier Verhinderung von und Intervention bei Schulabsentismus, Begleitung bei Praktikumssuche und Potentialanalyse genannt. So soll gewährleistet werden, dass die Standardelemente von  KAoA (Kein Abschluss ohne Anschluss), die Landesinitiative zum Übergang Schule – Beruf in NRW auch in bildungsfernen Familien mit multiplen Problemlagen ankommen.

Ziel der Veranstaltung war u.a. die Sicherstellung der Nachhaltigkeit und Verfestigung der Projektarbeit über die Projektlaufzeit nach Ende 2018 hinaus.

Wir bedanken uns bei den Teilnehmer*innen für die ergiebige Beteiligung, bei den Mitarbeiterinnen der Regionalagentur Köln, der Leiterin des Regionalen Bildungsbüros Köln, dem kommunalen Integrationszentrum und der kommunalen Koordinierung „KAoA“ Köln für die tatkräftige Unterstützung.

Rom e.V. Köln , 7.12.2017

Elisabeth Klesse – Vorstand

Ingrid Welke – Geschäftsführung

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Pressemitteilung 07/2016

By Aktuelles, Presse

PRESSEMITTEILUNG

Köln, 04. Juli 2016

 

Es ist 5 vor 12!

Das Ziel des Rom e.V. vor fast 30 Jahren war das Bleiberecht der Roma. Wir müssen feststellen: das politische Ziel haben wir, trotz einzelner Fortschritte beim Bleiberecht und in Einzelfällen, (noch) nicht erreicht.

Im Gegenteil: Roma werden aktuell verstärkt in die (angeblich) sicheren Herkunftsstaaten Bosnien, Mazedonien, Serbien, Albanien, Montenegro und den Kosovo abgeschoben oder zur „freiwilligen“ Ausreise  genötigt.

Deutschland hat aufgrund des Nationalsozialismus eine besondere Verantwortung gegenüber den Roma, die aber in keiner Weise wahrgenommen wird – „sichere“ Herkunftsstaaten werden „beschlossen“:  für Roma sind diese Staaten in keiner Weise „sicher“.

Wir müssen handeln: Es ist 5 vor 12!

Aktion für das Bleiberecht der Roma und gegen Abschiebungen am
Mittwoch, 06.07.2016,11:55 Uhr,
Ottmar-Pohl-Platz 1, Köln-Kalk.

 

Für Rückfragen: Simone Treis, Vorstand Rom e.V., simone.treis@romev.de

romevpresse040716

Jahreshauptversammlung 2016

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Rom e.V. Jahreshauptversammlung: Mehr Roma im Vorstand

Die Flüchtlingsberatung des Rom e.V. beschäftigt sich derzeit mit 11 Familien, deren Abschiebung angeordnet ist. Auch gut integrierte Familien des Schulprojektes Amaro Kher sind bereits abgeschoben worden. Die Folgen der laufenden Asylverschärfungen der letzten Monate werden auch für die Kölner Roma immer spürbarer.

In dieser Situation fand letzte Woche die Jahreshauptversammlung des Rom e.V. statt. Die Versammlung war außerordentlich gut besucht. Nach einer Gedenkminute für den verstorbenen Ehrenvorsitzenden Kurt Holl wurde intensiv über die Asylsituation und die pädagogischen Projekte des Vereins diskutiert.

Schließlich wurde mit deutlicher Mehrheit ein neuer Vorstand gewählt, dem jetzt 4 (statt bisher 2) Roma angehören. Der Vorstand besteht aus den drei langjährigen Vorstandsmitgliedern Simone Treis, Doris Schmitz und Elisabeth Klesse, dem Schriftsteller Günter Wallraff, den relativ neuen Mitgliedern Ossi Helling (ehemaliger Grüner Ratsvertreter) und Ismeta Stojkovic (Leiterin des Projektes Amen Ushta), sowie den neu gewählten Mitgliedern Jovan Nikolic (Schriftsteller), Ruzdija Sejdovic (ebenfalls Schriftsteller) – beide wollen sich besonders um das Archiv und Dokumentationszentrum kümmern – und Zeljko Baraba (dem die Arbeit mit den Roma Kindern als langjähriger Mitarbeiter von Amaro Kher am Herzen liegt).

Renate Graffmann, die seit Beginn des Vereins überwiegend im Vorstand tätig war, wurde zur Ehrenvorsitzenden gewählt.
Zu den Schwerpunkten des kommenden Jahres erklärte Ossi Helling:„Die Kölner Roma müssen mit allen verfügbaren Mitteln vor Abschiebungen geschützt werden.“

Ismeta Stojkovic betonte abschließend:„Die bisherigen pädagogischen Projekte Amaro Kher und Amen Ushta sollen mit einem neuen Projekt für die Übergänge Schule/Beruf noch stärker vernetzt werden. Damit können wir Kinder und Jugendliche auf allen Altersstufen begleiten.“

Erfreulicherweise wuchs der Rom e.V. im letzten Jahr von 40 auf 70 Mitglieder, davon ein großer Teil Roma.
Köln, 24.02.2016